Die arme Kuh

(Dieser Text ist vom Mai 2014)

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(c) kunst & wach / pixelio.de

„Du willst wissen, ob ich viel Kraft hab? Hab ich!!“ War meine leicht ironische Antwort auf das Gebrumme meines Mannes als er sich das kaputte Teil von unserem neuen Klapptisch angeschaut hat und in seinen (tatsächlich vorhandenen) Bart gemurmelt hat: „ Na, dafür braucht man aber schon ein wenig Kraft.“

Als ob ich mich nicht selber schon genug darüber geärgert hab, dass ich das schöne Stück schon beim zusammen bauen zerstört habe…wahrscheinlich weil ich es falsch zusammen gebaut oder einfach ein wenig zu ungeduldig gezogen hab.

Ich wollte doch von ihm nich hören, dass ich es kaputt gemacht habe – das wusste ich doch schon – sondern, dass er es reparieren kann. 🙂 Ich hatte ja noch ein wenig Zeit bevor er nach Hause kommt, um über meine „Tat“ nachzudenken – eigentlich sollte er den Tisch ja zusammenbauen, aber weil er es gestern nicht geschafft hat und ich nicht so lange warten wollte, hab ich gedacht, dass kann ich doch auch selber…nun ja, ich werde das jetzt mal so stehen lassen :).

Mein erster Gedanke war, dass der Tisch wahrscheinlich nicht mehr zu gebrauchen ist – dann ist mir etwas eingefallen: Die erste Kaffeemaschine, die wir als Familie besessen haben, die hat mein Papa von seinem Bruder geschenkt bekommen. Der hatte nämlich 2 Kaffeemaschinen zur Hochzeit bekommen und die eine war etwas kaputt. Dort wo man das Wasser einfüllt war ein Loch im Kunststoff oder ein Riss. Das heißt eigentlich nicht mehr zu gebrauchen, da undicht. Mein Papa hat dann Kurzerhand ein Kunststoffteil draufgeklebt und dann lief das Ding, wenn ich mich recht erinnere noch für Jahre.

Irgendwie hab ich schon oft das Gefühl gehabt, dass gerade die Dinge, die mal repariert wurden am längsten halten, als wenn sie durch die Reparatur besonders widerstandsfähig geworden sind.

Das macht mir Hoffnung für mich und mein Leben. So wie mit dem Tisch bin ich auch in vielen anderen Dingen oft voreilig…ich kann nicht warten bis Gott eingreift sondern denke: „Das kann ich schon ganz gut alleine – wenn ich es selber mache geht’s bestimmt schneller.“ Ja, und dann streng ich mich an und kämpfe und arbeite und am Ende ist etwas kaputt, dass ich nicht selber reparieren kann.

Mein Papa hat zu solchen Situationen immer gesagt: „Ja, ja, mit Gewalt kann man einer Kuh auch den Schwanz abreißen :).“Will sagen:  Mit genug Kraft bekommt man alles kaputt und oft ist es dann nicht mehr zu reparieren – jedenfalls nicht für unsere irdischen Eltern.

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(c) Frau K. / pixelio.de

Ich muss auch immer Lachen, wenn ich mich an meine Tochter erinnere, der ich mal während einer Autofahrt eine Blume zum halten gegeben habe und kurzerhand hat sie einfach die Blüte abgerissen und mich hinterher mit großen Augen angeschaut während sie mir die beiden Teile hingehalten hat und gesagt: „Heile machen?“

Ja, wie soll ich sagen? Hat nicht geklappt.

Aber ich kenn einen, der kann alles heile machen.

Sich selbst in seiner Zerbrochenheit in Gottes Hände zu legen und zu sagen: „Kannst du mich bitte heile machen?“ das ist der sicherste und schnellste Weg zur Wiederherstellung…nein, nicht nur Wiederherstellung, er macht es beim reparieren noch besser – so dass es länger und besser hält als es das vorher getan hätte.

Also ich bin repariert worden…das heißt wohl, dass ich noch eine Weile hervorragend funktionieren werde. 🙂 Und wenn nicht – ich weiß ja wo die Werkstatt ist!

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(c) Lenna Heide

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