Bratgeruch, Ehemänner und Gehorsam

(Dieser Artikel ist vom 07.November 2013)

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(c) Karin Wuelfing / pixelio.de

Es ist Dienstag – Hauskreisabend und ich steck mitten in den Vorbereitungen – das heißt, im Kopf geh ich das Thema durch, auf dem Kopf werden die Haare geföhnt und in dieses Durcheinander kommt mein Mann nach Hause. Es dauert noch so ca. 1Std. bis der erste Besucher an der Tür klingeln wird und ich hab noch viel vor.

Nach einer kurzen Begrüßung und dem Wunsch in 20 min zu Abend zu essen verschwindet mein Mann in die Küche, um den Tisch zu decken – ich mach mir die Haare und eile dann hinterher…

Zu meinem Erstaunen und Entsetzen sehe ich wie er vor der Pfanne steht und Eier und Wurst anbrät. Zu meinem Erstaunen, weil es selten vorkommt dass er kocht zu meinem Entsetzen, weil ich nicht viele Dinge weniger mag als Bratgeruch – ganz besonders wenn Besuch kommt.

Ja, ich muss zugeben viele werden mir da widersprechen und es nicht verstehen, aber diese Ablehnung des dazugehörigen Geruchs hält mich davon ab meine Pfanne regelmäßig zu verwenden. Sie wird sozusagen von mir „geschont“.

Zurück zu dem Anblick der sich mit bietet…vor meinem inneren Augen malt sich das Horrorszenario des unaufhaltsamen Gestanks aus, der sich in der ganzen Wohnung ausbreitet und sich vor allen Dingen in meinen noch nicht ganz trockenen Haaren festsetzt. I am not amused – und er sieht es mir an – ich kann auch nicht leugnen entsprechende Geräusche abgesondert zu haben.

Seine Reaktion darauf: „Ja, ich wusste, dass du so reagieren wirst – aber es gibt in diesem Haus Menschen die Hunger haben!“ Jetzt kocht es nicht nur in der Pfanne.

Genervt verlass ich den Raum und denke: Man ey, kann der nicht Morgen Hunger haben? Desweiteren überlege ich mir einen Plan wie ich es vermeiden kann das Abendbrot in der Küche einzunehmen – ich will ja nicht den ganzen Abend stinken. Ich merke aber auch, dass ich keine Lust habe mit meinem Mann zu Abend zu essen – weil der hat es ja angerichtet und der soll es gefälligst alleine in der Küche essen.

Nun ja, nach 2 min Kopfkampf geb ich auf und gehe dann doch in die Küche und stelle fest, dass es dort echt kalt ist: Er hat aus Liebe zu mir gelüftet beim braten. „Na toll, jetzt riecht es nach kaltem Bratfett – das ist ja noch ekeliger.“  Sag ich und muss innerlich schon lachen. Äußerlich stöhn ich noch einmal laut auf und bemerke, dass ich grad echt genervt bin…danach geht es mir besser…er schaut mich etwas vorsichtig an und meint: „Ich weiß, dass du das nicht magst, aber ich hab die Pfanne nach draußen gestellt – damit sie abkühlt und es weniger stinkt.“ Tatsächlich mag ich es nicht, wenn er das tut, weil er die Angewohnheit hat sie dort gerne stehen zulassen, bis ich am Ende meiner Geduld (nach ungefähr 2 Wochen, falls ich sie nicht früher brauche) selbige, fettige Pfanne selber reinhole und wasche oder es ihn machen lasse. Diesmal allerdings wurde alles Vorschriftsgemäß am Abend erledigt – das wusste ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht…

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(c) Michael Horn/pixelio.de

Ich fange wieder an schwer zu atmen und kämpfe damit die wieder gewonnene Fassung erneut…sagen wir mal kurz zur Seite zu legen…aber dann kommt mir plötzlich ein Gedanke und der Ärger löst sich in Luft bzw. in Bratgeruch auf.

Was mir hilft, wenn Wut hochkommt ist oft innerlich einen Schritt zurück zu treten und das Ganze mal aus einer anderen „größeren“ Perspektive zu betrachten. Als ich diesen Schritt zurück gemacht hab ist mir aufgefallen, dass ich mit Gott oftgenauso umgehe. Ich sage (oder denke): Ja, ich weiß, dass du das nicht so gern hast ,aber ich bin halt ein Mensch und hab Bedürfnisse – und so schlimm ist es doch gar nicht. Schau mal ich mach doch alles, damit die Auswirkungen nicht ganz so schlimm sind…du brauchst mir nicht mehr böse sein, echt jetzt. Und ich weiß, du magst nicht wie ich versuche zu vertuschen, dass ich was falsch gemacht hab, aber ich weiß halt keine bessere Lösung und ich versuch doch mein Bestes – kannst du das nicht wenigstens anerkennen?

Ich muss sagen, zum Glück ist Gott nicht so wie ich…normalerweise wenn ich sowas Dummes mache, sagt er erst mal gar nichts. Er wartet. Er wartet bis ich einsehe, wie dumm ich war und das ich einsehe, dass er meinen Bedürfnissen viel besser begegnen kann  als ich selber – und dass er auch weiß wann der richtige Zeitpunkt dafür ist. Er wartet darauf – dass ich ihm die stinkende, dreckige Pfanne in die Hand drücke und sage: „Ich würds jetzt erst mal lieber weg stellen – es nicht mehr sehen müssen und mich irgendwann später darum kümmern, aber ich weiß, dass magst du nicht…würdest du bitte die Pfanne für mich sauber machen?“ Und dann freut er sich und macht sauber und dann setzten wir uns an den Tisch und haben unser Abendmahl.

Natürlich mag Gott ein Herz, dass sofort gehorsam ist lieber – aber ein Herz dass bereit ist Fehler einzugestehen und erst im zweiten Anlauf gehorsam ist (oder in welchem Anlauf auch immer) wird mit genauso viel Freude empfangen werden.

Nicht, dass ich jetzt denke, dass mein Mann grundsätzlich etwas Dummes gemacht hat 🙂 – einige Hauskreisbesucher fanden den Duft sogar lecker…und nicht dass ich jetzt jede Pfanne selber waschen möchte…aber ich glaube ihr habt mich schon verstanden :).

Nachdem ich dann mit Gott zusammen über diesen Gedanken gelacht habe konnte ich dann doch noch entspannt meinem Besuchern die Tür öffnen, aber natürlich hab ich vorher meinen Mann darüber informiert, dass ich über diesen Vorfall am nächsten Tag einen Bericht schreiben werde…er wollte aber anonym bleiben, deswegen hab ich seinen Namen nicht genannt :D.

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