Saure Drops, Dawsons Creek und Abschied

(dieser Text ist vom November 2013)

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(c) Peter Franz / pixelio.de

Vor einiger Zeit ist mir aufgefallen, dass dieses Jahr (für mich) irgendwie von Abschied gekennzeichnet ist. Abschied von Menschen,Abschied von Lebensabschnitten, Abschied von Wunschvorstellungen – aber auch Abschied von Ängsten, Lügen und gefährlichen Herzenshaltungen.

Abschied hat so etwas Bittersüßes – und weil ich gleich mein Bild verwenden möchte nenn ich es jetzt einfach: Süßsauer. Das was und allen wahrscheinlich immer als erstes einfällt ist das Bittere oder das Saure: Wir müssen loslassen. Das tut weh, besonders wenn es etwas oder jemand ist, den wir lieben. Aber sogar wenn es etwas ist, dass unser Leben im Grunde stört, fällt uns der Abschied oft schwer, weil die Dinge die uns vertraut sind, nach einer Weile wie zu einem Teil von uns werden. Ein Teil, den wir vielleicht nicht besonders mögen oder manchmal gern loswerden würden – und trotzdem etwas was zu uns gehört – etwas wovon ich denke das ich es bin. Natürlich ist es schwer einen Teil von sich „abzuschneiden“ und loszulassen. Das leuchtet wahrscheinlich jedem von uns ein.

Ich mag ja so saure Sachen. Und vor einiger Zeit hab ich mir Extra-Saure Drops gekauft – wenn man die in den Mund steckt sind die so sauer, dass man im ersten Moment den Impuls hat sie wieder auszuspucken, weil sich wirklich alles zusammenzieht. Nach einem kurzen Augenblick aber, wenn die erste Schicht runter ist werden sie süß und neutralisieren die Säure – am Ende schmecken sie einfach nur ganz normal süß  – aber durch den Kontrast  ist die Süße irgendwie noch viel wohltuender als sonst. Meine Nichte mag sie auch besonders – also hab ich ihr letztens eine Packung davon geschenkt und sie hat sich am meisten darüber gefreut diese Drops meiner Mutter anzubieten, um sie mit der Säure zu überraschen…Ein paar Tage später hat sie mir kopfschüttelnd erzählt, dass meine Mama als sie ihr den zweiten Drop angeboten hat – diesen einfach kurz unter den Wasserhahn gehalten hat und dann einfach nur noch den süßen Teil gelutscht hat.

Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Ist es nicht auch so, dass wir oft versuchen, den saueren Teil zu umgehen? Aber was passiert denn dann am Ende? Das Süße ist nicht so süß wie es eigentlich sein könnte. Ist es nicht so, dass wir Glück und Freude nur genauso tief empfinden können wie wir Schmerz und Trauer zugelassen haben?

Abschied – auch wenn es der endgültigste ist – bringt immer das Geschenk des Neuanfangs mit – dafür ist aber nur Raum, wenn wir wirklich loslassen. Ich hab mal ein ganz interessantes Zitat von Dawson Leery gehört (ich werde es jetzt mal frei aus dem Gedächtnis aufschreiben und dabei aus dem englischen übersetzten): „Wir sagen immer Leben und Tod – als wenn Leben das Gegenteil von Tod ist. Aber Geburt ist das Gegenteil von Tod. Leben hat kein Gegenteil.“

Hmm, auch das hat mich zum Nachdenken gebracht – ist das wirklich so? Hat Leben kein Gegenteil? Meine Idee ist: Nicht-Existenz – also ein nicht-vorhanden-sein – ein nicht-geboren-sein: Das ist das Gegenteil von Leben. Das heißt: Sobald ich geboren bin…lebe ich (ob ich will oder nicht – ist egal was ich darüber denke und ob ich mich darüber freue oder ob ich sauer bin, dass mich keiner vorher gefragt hat). Ich lebe bis ich tot bin… Wenn ich jetzt aber mal das natürliche Leben nehme und es als Schattenbild für das übernatürliche betrachte, dann müsste es doch so sein, dass ich nachdem ich wiedergeboren bin schon ewiges Leben habe (egal ob ich das verstanden habe und ob ich das glauben kann und egal ob ich denke dass ich das verdient habe oder eher nicht).  Und das Wort ewiges Leben beinhaltet ja schon,dass es nicht beendet werden kann – das heißt ich komm aus der Nummer nicht mehr raus. (will ich ja auch nicht). Ich lebe also schon mein ewiges Leben hier auf der Erde…und das ist nur der Anfang. So richtig geht’s aber erst los, wenn ich mich von meinem sterblichen Körper verabschiede…das heißt für jemanden der wiedergeboren ist, ist der natürliche Tod: Befreiung. Befreiung davon in einer ungesunden Umgebung leben zu müssen, Befreiung von den Beschränkungen unseres Körper und den physikalischen Gesetzen, Befreiung von Blindheit und Taubheit im geistlichen Bereich…. Paulus spricht ja auch davon, dass unser Fleisch sterben muss – er meint damit nicht unseren Körper sondern unsere Seele, denn genauso wie unser Körper beschränkt uns unsere Seele (solange sie nicht vom Heiligen Geist gereinigt ist) in dem was wir sein können durch Jesus.

Also nicht das mich hier jemand falsch versteht – ich möchte jetzt niemanden dazu aufrufen seinem Körper etwas anzutun. Im Grunde ist es doch so: Solange wir auf der Erde sind, sind ein gesunder Körper und eine gesunde Seele die Grundlage dafür, dass wir so wenigen irdischen Beschränkungen wie möglich unterliegen…und je weniger wir diesen Beschränkungen unterliegen desto mehr haben wir schon einen Vorgeschmack auf das ewige Leben, dass noch kommt – und dass schon angefangen hat – in uns.

Um es auf den Punkt zu bringen: Abschied gehört zu unserem Leben dazu und das ist auch gut so – denn wüssten wir sonst das was wir haben, so sehr zu schätzen? Abschied sollte etwas sein, dass wir umarmen, weil wir wissen, dass der erste Schmerz vorbei gehen wird und dass das was danach kommt uns mehr zu dem Menschen machen wird als der wir gedacht sind. Abschied ist ein guter Lehrer und meistens bringt er seinen Freund Freiheit gleich noch mit – Freiheit gibt es allerdings nicht ohne Abschied.

Ich erlebe es immer wieder so, dass die Menschen die bereit sind sich dem Sauren zu stellen am Ende die süßesten sind.

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(c) Petra Bork / Pixelio.de

Vor ein paar Tagen hab ich Post bekommen von www.MeetingJesus.de – dort lag ein Bibelvers dabei:

Schmecke und sieh, dass der Herr gut ist. Freuen darf sich, wer auf ihn vertraut. Psalm 14,9

Also in diesem Sinne: Lasst es euch schmecken und vertraut darauf, dass nach dem Sauren eine ganz besondere Süße auf euch wartet!

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