Kreative Umsetzung von Galater 5,22

(Dieser Text ist vom Oktober 2009)

Wenn dagegen der Heilige Geist unser Leben beherrscht, wird er ganz andere Frucht in uns wachsen lassen: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue…

Verschlafen reib ich mir die Augen. Wo bin ich eigentlich? Alles sieht fremd aus – aber schön.
Es duftet wunderbar und die Vögel singen leise.

Ich schau mich um, versuche mich zu erinnern. Aber nein, hier bin ich ganz sicher noch nie gewesen
Trotzdem fühle ich eine seltsame Vertrautheit. Es knistert hinter mir und ich entdecke, dass dort Jemand sitzt zwischen wunderschönen roten Blüten – Blüten die ich noch nie vorher gesehen habe, aber ihr Anblick zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht und berührt mich ganz tief und warm in meinem Herzen.

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(c) Bernd Kasper/pixelio.de

„Hallo?“ kommt es zaghaft aus meinem Mund. Der Mann blickt auf und lächelt nur. Langsam trete ich näher. Ich weiß plötzlich überhaupt nicht wie ich erklären soll, dass ich nicht weiß wo ich bin und schaue ihm eine Weile verlegen bei der Arbeit zu. Irgendwas an ihm kommt mir bekannt vor – vielleicht erinnert er mich an jemanden? Immer wenn ich es fast habe, scheint der Gedanke wieder zu flüchten – ich gebe auf und will gerade zu einer Frage ansetzten als er sagt: „Schau dich in Ruhe um, deine Fragen beantworte ich später.“ Verwirrt nicke ich nur und schaue mich um, um herauszufinden in welche Richtung ich am besten gehen soll.

Überall sind wunderschöne Dinge die es zu entdecken gilt und ich kann mich mal wieder überhaupt nicht für eine Richtung entscheiden. Zum Glück entdecke ich einen kleinen Trampelpfad und beginne ihm zu folgen. Überall wo ich jetzt hinschaue sind andere Farben zu entdecken, es scheint als wenn der ganze Regenbogen sich auf einer Wiese vereint hat. Und ohne zu überlegen fange ich an zu hüpfen, wie ich es als kleines Kind gemacht habe, wenn ich besonders ausgelassen und glücklich war.
Ein Lachen kommt ganz tief aus meinem Innern und ich fange an den Schmetterlingen hinterher zu jagen, die überall herum fliegen.

Völlig außer Puste mache ich halt, nachdem auch der letzte Schmetterling mir entwischt ist und merke, dass ich mich in einer Art Park befinde. Überall stehen wunderschöne Bäume. An einigen hängen Schilder mit Jahreszahlen dran und ich staune immer wieder neu, wie alt manche von den Bäumen sind. Wer hat wohl die ganze Zeit darauf geachtet, dass sie wachsen und gedeihen?

Mit der Zeit bemerke ich, dass die Art der Bäume sich verändert hat – jetzt scheine ich in einem riesigen Obstgarten zu stehen. Überall wachsen die schönsten Früchte und alle scheinen zur gleichen Zeit reif zu sein. Gerne würde ich die eine oder andere Frucht probieren, aber da ich nicht weiß wem sie gehören, lass ich es lieber bleiben. Plötzlich entdecke ich, dass vor jedem Baum Körbe stehen und Schilder auf denen ausdrücklich erlaubt wird sich nach Herzenslust zu bedienen. Ich kann mein Glück kaum fassen – heute muss mein Glückstag sein.

Zufrieden und satt entdecke ich eine Hütte und neugierig schau ich durch ein Fenster. Drinnen entdecke ich, dass es sich wohl um einen Geräteschuppen handelt. Alles ist ordentlich sortiert und sieht, obwohl anscheinend oft gebraucht gut gepflegt aus – auf einem Regal entdecke ich sogar einige Auszeichnungen für – Ich reibe meine Augen – nein nicht für besondere Züchtungen oder besonders große Früchte sondern für langjährige Treue. Nachdenklich geh ich weiter – alles hier scheint so anders zu sein als ich es gewöhnt bin.

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(c) Petra Dirscherl / pixelio.de

Etwas erschöpft entdecke ich eine Bank, die vor einem kleinen See platziert ist. Tiefer Friede erfasst mich. Unbemerkt ist der Gärtner, den ich am Anfang getroffen hatte, neben mich getreten. „Darf ich mich setzten?“ fragt er freundlich. Ich nicke nur – erstaunt darüber, dass er mich gefunden hat – oder ist er mir die ganze Zeit gefolgt? Ich schaue hinter mich und entdecke, dass ich wieder bei den roten Blumen angekommen bin. Ich scheine im Kreis gegangen zu sein. „Und wie hat es dir gefallen?“ Ich bin so voll von Eindrücken, dass es mir schwer fällt es in Worte zu fassen. Aber er scheint keine Eile zu haben und wartet geduldig.

„Es ist wunderschön und so anders als alles was ich kenne. Wo bin ich? Wer bist du?“ Wieder das schon fast vertraute Lächeln. „Erinnerst du dich, dass du mich gestern gebeten hast mir dein Herz zu zeigen?“ Ich stocke. Meine Gedanken überschlagen sich. Was passiert hier gerade?
„Das kann unmöglich mein Herz sein. Ich weiß, dass es dort auch noch ganz andere dunkle, faulige, stinkende Orte gibt…“ Er lächelt wieder. „Das was du gesehen hast – ist das was ich in dir tue, seit Du ein Kind Gottes bist…!“ Ich bin immer noch nicht überzeugt und will zum Protest ansetzen – „Und all das Faulige und Stinkende…“, er lacht leise „…wie du es so schön formuliert hast, ist ein wunderbarer Dünger. Jedes Mal wenn du bereit bist, all diese Dinge an mich abzugeben hab ich eine wunderbare Grundlage, um eine neue wunderschöne Pflanze in deinem Herzen wachsen zu lassen.“

Der Wecker klingelt. Und ziemlich enttäuscht wache ich in meinem Bett auf – ich hab doch noch so viele Fragen und überhaupt, ich wollte doch gar nicht wieder zurück. Ich schließe nochmal die Augen und versuche mir alles woran ich mich erinnern kann nochmal ganz fest einzuprägen. Und dann hör ich es ganz leise in meinem Herzen: „Ich bin da, frag mich ruhig.“
Ein tiefer Friede erfasst mich und ich schäme mich schon fast, weil ich daran gar nicht gedacht habe.

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