Nur ein Tag

Unser Leben ist als wenn ein reicher, gütiger Mann an unsere Tür klopft und uns ein Geschenk anbietet. Er möchte uns adoptieren und dann mit uns zusammen über sein riesiges Reich herrschen. Alles was wir dafür tun müssen ist: „Ja“ dazu zu sagen.

Dann erzählt unser neuer Papa uns, dass wir noch eine Aufgabe zu erfüllen haben – von der Aufgabe hängt nicht ab, ob wir adoptiert bleiben – das wird sich nicht mehr ändern – die Aufgabe bestimmt welche Position wir in seinem Reich einnehmen dürfen. Unser neuer Papa liebt nämlich alle Menschen in seinem Reich und möchte, dass es ihnen gut geht, deswegen achtet er darauf seine Kinder in der richtigen Position einzusetzen, zum Wohl aller Beteiligten.

Unsere Aufgabe sieht grob umschrieben so aus: Wir bekommen einen Umschlag mit Aufträgen für den nächsten Tag und wenn der Tag vorbei ist, dann werden wir in sein Reich – unser neues Zuhause abgeholt.

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(c) Daniel Kocherscheidt / pixelio.de

Die Frage ist jetzt: Was mache ich mit dem Umschlag?

Ich habe viele Möglichkeiten. Die schlechteste wäre wohl, den Umschlag liegen zu lassen, aus Angst die Aufgaben nicht erfüllen zu können. Den Tag dann einfach irgendwie verleben und hoffen, dass er schnell vorbei geht, damit man endlich sein Erbe antreten kann.

Man könnte auch den Umschlag öffnen und die Aufgabe lesen, dann wäre die Entscheidung: Will und werde ich mich daran machen die Aufgabe zu erfüllen oder nicht? Entscheide ich mich die Aufgabe zu erfüllen gilt es noch eine Entscheidung zu treffen: Mit welcher Einstellung will ich die Aufgabe erfüllen? Versuche ich mein Bestes zu geben? Tue ich es mit einem freudigen Herzen, weil ich weiß welche Freude deswegen vor mir liegt? Oder stöhne und meckere ich dabei die ganze Zeit herum, beklage mich, darüber und frage mich, ob das jetzt wirklich nötig gewesen wäre?

In diesem Umschlag könnten verschiedene Dinge stehen, aber normalerweise fängt es damit an, dass wir unser Haus sauber machen sollen. Wir werden wahrscheinlich dann in unserem Haus einen Geschenkkarton entdecken mit Werkzeugen, die uns die Arbeit erleichtern.

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(c) Lenna Heide

Danach könnte es dran sein unsere Freunde einzuladen, ihnen zu erzählen, wer wir jetzt sind und wo wir bald hingehen. Ihnen zu zeigen wie wir unser Haus sauber bekommen haben und sie einzuladen sich auch Adoptieren zu lassen. „Ja“ zu sagen, wenn es an ihrer Tür klopft.

Vielleicht wird die nächste Aufgabe sein, Fremde Menschen in unser Haus einzuladen oder Dinge aus unserem Besitz zu verschenken, vielleicht auch einfach nur mal eine Stunde Auszuruhen oder unseren neuen Papa anzurufen und uns bei ihm zu bedanken.

Egal wie die Aufgaben aussehen werden, es ist unsere Entscheidung, ob wir sie machen wollen und wie wir sie machen wollen. Es ist nur ein Tag, der bestimmt wie der Rest unseres Lebens aussehen wird – eigentlich ein relativ kleiner Einsatz und trotzdem kann so ein Tag lang werden oder zu kurz erscheinen, um danach beurteilt zu werden.

Ich weiß nicht, wie weit mein Tag schon vorangeschritten ist – vielleicht ist es erst Mittags, vielleicht schon kurz vorm Schlafen gehen – wer weiß das schon? Das Einzige was ich weiß ist: Ich möchte die restlichen Stunden so nutzen wie es am sinnvollsten ist im Hinblick auf den Rest meines Lebens.

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