Narben

Gestern kurz vor dem Einschlafen hatte ich einen kurzen Gedanken: Wäre es nicht toll, wenn Jesus im Zuge der Wiederherstellung alle meine Narben verschwinden lassen würde?

Und ich bin dann mal so die Narben an meinem Körper durchgegangen – die Narben an meinem linken Fußgelenk, dass drei Mal operiert werden musste als ich zehn war oder die Blinddarmnarbe die mir am Neujahrstag 1989 das Leben gerettet hat oder die Narbe an meinem Schienbein, als ich zu ungeschickt war, um in ein Boot einzusteigen und mir eine Riesenschramme geholt habe, die Narbe an meinem Fuß als ich in einen rostigen Nagel getreten bin oder die andere als ich mit meinem Fuß in die Speichen gekommen bin…dann hab ich an die Narbe in meiner rechten Handfläche gedacht, die ich mir zugezogen hab als ich sechs war. Eine ganz kleine, die wahrscheinlich nie jemandem auffällt, aber mit dieser Narbe habe ich gelernt rechts und links zu unterscheiden. Heute noch, wenn ich mir mal unsicher bin schau ich nach, manchmal kann ich sie sogar einfach fühlen ohne das ich hinschaue. An dieser Stelle habe ich zum ersten Mal gezögert.

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(c) Jutta Rotter / pixelio.de

Naja, alle Narben braucht er ja nicht weg zu machen…aber zur Not wäre ich auch bereit diese Narbe herzugeben. Aber dann hab ich an die Narbe von meinem Kaiserschnitt gedacht und ehrlich gesagt hab ich an dieser Stelle sofort entschieden: Die geb‘ ich nicht her. Die gehört zu mir und die will ich auch behalten, weil sie mich an etwas erinnert, an jemanden, der zu mir gehört und den ich liebe.

Und sofort hab ich an die Narben in meinem Herzen gedacht und gemerkt, da ist es wohl genauso. Es gibt Narben auf die kann ich gern verzichten. Die hab ich mir aus lauter Dummheit zugefügt oder die wurden mir zugefügt, weil jemand anders nicht darüber nachgedacht hat. Sie stammen von Wunden, die mich zwar etwas gelehrt haben, aber diese Dinge hätte ich auch anders lernen können. Aber dann gibt es Narben, die erinnern mich an Wunden, die ich habe, weil ich jemanden geliebt habe und diese Narben möchte ich nie wieder hergeben, die gehören zu mir, die sind ein Teil von mir und ich liebe sie.

Und ich glaube, das ist auch der Grund dafür, dass Jesus nach seiner Auferstehung seine Wundmale behalten hat. – der Grund warum er sie in alle Ewigkeit behalten wird. Er hat diese Wunden, weil er geliebt hat, weil er liebt – mich liebt. Seine Narben erinnern ihn an mich – er hat meinen Namen in seine Handflächen geschrieben. Ich gehöre ihm. Gibt es etwas Schöneres als diese Narben?

liegen

(c) Lenna Heide

 

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