Unsere Flüchtlinge – Wen ich dabei sehe (mit Bible-Art)

In den letzten Wochen ist es das Thema Nr.1 und ich muss ehrlich sagen, ich hab mich anfangs recht wenig damit beschäftigt. Grundsätzlich ist meine Meinung dazu schon vor langer Zeit gefällt worden, aber ich bin schon dafür auch festgelegte Grundsätze so dann und wann zu überprüfen und gegebenenfalls auch zu verändern.

Vor zwei Tagen saß ich mit ein paar Frauen zusammen. Wir hatten uns zum Beten getroffen. Mir wurde spontan am Abend davor die Leitung des Treffens übertragen und nun saß ich da und hatte irgendwie nicht so Recht was auf dem Herzen. Also hab ich mal in die Runde gefragt, was die Damen denn so beschäftigt und die Antwort war ziemlich einheitlich: Die Flüchtlinge in Deutschland. Wieso bekommen wir so viele? (Das war keine ablehnende Frage sondern eine Frage nach dem tieferen Sinn dieser Situation). Wie kann man weise mit dieser Situation umgehen? Was sollen wir konkret machen? Ist „nur“ beten nicht zu wenig?, usw.

Also haben wir uns Zeit genommen und Gott mal gefragt was er dazu denkt…und in diesen 15-20 min hab ich auf einmal so viel verstanden, dass ich gleichzeitig bewegt, begeistert und herausgefordert war und bin.

Ich hab mich erinnert wer ich eigentlich bin. Genauso wie die Flüchtlinge bin ich vor 35 Jahren in dieses Land gekommen, dabei war mein 4-jähriges Ich eine von über 4 Millionen Menschen, die Deutschland innerhalb eines Zeitraums von ca. 60 Jahren aufgenommen hat.

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Meine Eltern, mein Bruder und ich in einer Notunterkunft 1980 kurz nachdem wir in Deutschland angekommen waren

Wenn ich an meine Kindheit denke erinnere ich mich an viele, viele deutsche Menschen, die mich freundlich aufgenommen haben, die interessiert waren an meiner Herkunft, die mich willkommen geheißen haben in diesem Land. Ich kann mich erinnern, dass in den 90ern noch eine ganze Flut von Russlanddeutschen ins Land kamen und das Deutschland damals auch gestöhnt hat, dass man sich gefragt hat, wie man die Flut der Menschen bewältigen soll und heute ist es schon fast vergessen. Und auch wenn die Menschen die damals gekommen sind, deutschstämmig sind, so kamen sie trotzdem aus einer völlig anderen Kultur, viele konnten die deutsche Sprache kaum oder gar nicht und auch viele von ihnen, besonders Christen hatten traumatisches erlebt.

Mittlerweile fühl ich mich deutsch und ich lebe, rede, denke deutsch. Natürlich ist da noch ein Stückchen andere Kultur, aber das erlebe ich nicht als störend, sondern als bereichernd.

Wenn das damals für uns möglich war, wieso nicht auch für die Flüchtlinge heute?

Ich habe ich mich erinnert, dass ich das ganze Jahr das Gefühl hatte: „Jesus kommt zu uns. Und ich hab das auch hier und da gesagt:“ Ich glaube, Jesus kommt dieses Jahr, aber anders als wir glauben. „

Ich hatte ja keine Vorstellung. Auf einmal hat Jesus mich an die Stelle aus Matthäus 25,34-40 erinnert:

35 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig, und ihr gabt mir zu trinken. Ich war ein Fremder, und ihr habt mich in euer Haus eingeladen.
36 Ich war nackt, und ihr habt mich gekleidet. Ich war krank, und ihr habt mich gepflegt. Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.´
37 Dann werden diese Gerechten fragen: `Herr, wann haben wir dich jemals hungrig gesehen und dir zu essen gegeben? Wann sahen wir dich durstig und haben dir zu trinken gegeben?
38 Wann warst du ein Fremder und wir haben dir Gastfreundschaft erwiesen? Oder wann warst du nackt und wir haben dich gekleidet?
39 Wann haben wir dich je krank oder im Gefängnis gesehen und haben dich besucht?
40 Und der König wird ihnen entgegnen: `Ich versichere euch: Was ihr für einen der Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan!´

Matt25

Plötzlich war mir völlig klar: Jesus kommt nicht erst noch, er ist schon längst da, aber wir erkennen ihn nicht in den vielen Gesichtern. Was für eine Ehre, dass Jesus mit so einer Macht in unser Land kommt, dass er uns zutraut, dass wir uns um ihn, in diesen Menschen kümmern.

Ich hab in meinem Herzen gespürt wie er immer wieder sagt: Macht Raum in eurem Herzen, macht Raum in euren Armen, macht Raum in euren Häusern.

Und ich glaube genau dieser Reihenfolge ist wichtig. Wenn wir erst mal Raum gemacht haben in unseren Herzen, dann werden wir unsere Arme ausbreiten können und diesen Menschen mit der Liebe begegnen können, die sie brauchen und dann haben wir auch Raum in unseren Häusern, weil es dann nicht mehr „die Flüchtlinge“ sind sondern unsere Freunde.

Ich weiß auf jeden Fall, dass das geht. Vor allen Dingen, dass es in Deutschland geht:

Ich bin der lebende Beweis.

 

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2 Gedanken zu “Unsere Flüchtlinge – Wen ich dabei sehe (mit Bible-Art)

  1. Hallo, gerade habe ich deinen Beitrag gelesen und muss dazu etwas schreiben. Schön geschrieben hast du. Danke für diesen Beitrag. Auch ich hatte mal Sorge wegen der Flüchtlingszahlen. Doch eher in dem Sinne, oh weh hoffentlich schleusen sich da nicht die Terroristen mit rein und machen alles platt. Ich habe angst vor diesem Krieg. Nächte lag ich wach, saß vor dem Fernseher und hörte die Nachrichten an. Mitlerweile hab ich mich wieder beruhigt und die Angst ist etwas gewichen. Wir sind ein starkes Land und es wird schon gut gehen. Ich muss vertrauen in unser Land haben.
    Mir gehen Ausländerfeindlichkeiten ziemlich gegen den Strich. Verständnis habe ich für solche Menschen nicht. Meine Frage: Sind da auch Christen dabei? Machen die bei solchen Hetzjagden mit? Gott liebt uns doch alle. Das geht so nicht! Und mal so ganz allgemein gesagt: Menschen, die sich nicht genug mit den Zahlen beschäftigen, oder abends mal mehr Sendungen auf ARD, WDR, ZDF oder 3Sat ansehen und Spiegel lesen, sollten sich erst mal besser damit auseinandersetzen, bevor etwas geäußert wird, von dem sie keine Ahnung haben.
    Auch andere Länder nehmen sehr viele Flüchtlinge auf. Leider kann ich den Bericht aus der Zeitschrift Spiegel gerade nicht finden. Aber soweit ich weiß liegt Deutschland noch sehr weit unten in der Liste der Flüchtlingsaufnahmen weltweit. Zumindest lt. Spiegel. Ich habe sehr viel Mitleid mit diesen Menschen, die zahlen so viel Geld für ihre Flucht, um nicht sterben zu müssen und dann wird noch soooo viel Schindluder getrieben. Somit ertrinken sie oder sterben qualvoll durch andere üble Machenschaften. Es ist sooo schlimm. Machen diese Menschen nicht schon genug durch? Manche tragen ihre Kinder tausende von Kilometern durch die Landschaft, ohne zu jammern. Sie wollen nur weg vom Krieg. Lasst uns beten, dass der Terror mal aufhört. Den braucht doch keiner. Wenn sich jeder ein Herz fasst und etwas mithilft kann den Menschen wieder etwas Licht ins Dunkel bringen. Wir können stolz darauf sein anderen Menschen gute Stunden zu bereiten. Freundlichkeit zeigen und vielleicht braucht auch mal jemand Trost, weil er seine Familie verloren hat.
    Gott gibt uns das in jeder Lebenslage. Er nimmt uns auf, macht keinen Unterschied zwischen dem einen oder anderen. Vielleicht ist es ja auch eine neue Prüfung von Gott an uns. Lasst uns also Stärke beweisen und anders sein als andere. Wie du schon geschrieben hast: Offene Herzen und Arme zeigen.
    Lg Tanita

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