Wie aus einer Begegnung eine Beziehung wird…

…und aus einem Treffen eine Verbindung entsteht.

Vor ein paar Tagen war ich mit meinem Mann im Kino, in den Film: Alles steht Kopf. Ein wirklich empfehlenswerter Film, der, wie ich finde, richtig plastisch darstellt wie unsere Gefühlswelt und wie unsere Beziehungen funktionieren. Da ich mich grad eh mit diesem Thema beschäftig habe, hab ich mich mal hingesetzt und mir ein paar Fragen gestellt und auch versucht diese zu beantworten.

Hier der Trailer zu dem Film:

Die grundlegende Frage ist für mich: Woraus besteht Beziehung? Oder was ist Beziehung?
Laut Wörterbuch ist es eine Verbindung oder ein Kontakt zwischen zwei Personen oder Gruppen.

O.K. meine Frage ist aber eigentlich: Welches Element macht, dass wir in Kontakt kommen, das eine Verbindung aufgebaut wird – was ist dafür erforderlich?

Muss ich dafür einfach räumlich in der Nähe von Jemandem sein? Reicht es, wenn wir miteinander reden? Müssen wir etwas gemeinsam unternehmen? Oder ist es am Ende einfach das wir genetisch verwandt sind? Was führt dazu, dass ich mich so fühle, als wenn jemand zu mir gehört oder ich zu ihm oder eben nicht?

Wozu ist Beziehung überhaupt gut? Und ist das nötig? Ganz schön viele Fragen, aber wer keine Fragen stellt bekommt auch keine Antworten ;). Also meine Gedanken dazu sind folgende. Gott ist ein Beziehungswesen, im Grunde genommen denke ich dass Gott als Dreieinigkeit Familie symbolisiert…zusammengefasst könnte man sagen Gott ist Familie J. Wenn Gott also ein Beziehungswesen ist und wir nach seinem Ebenbild gemacht sind gehe ich davon aus, dass auch wir für Beziehung gemacht sind. Wir brauchen Beziehung um glücklich zu sein, um zu wachsen und um Gott zu verstehen, zu verstehen, dass Gott in Beziehung mit uns sein möchte.

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(c) Margit Völtz / Pixelio.de

Und das Wort: „brauchen“ ist meiner Meinung nach auch ein Schlüsselbegriff in diesem Zusammenhang. Um Beziehungen eingehen zu wollen muss ich mir erst einmal eingestehen, dass ich bedürftig bin – ansonsten reiche ich mir ja selber aus. Aber es gibt Bedürfnisse, die kann ich mir selbst nicht erfüllen, so sehr ich das auch versuche. Zum Beispiel das Bedürfnis verstanden zu werden, angenommen zu sein, Nähe zu erleben, beschützt zu werden, usw.. Ich kann das alles für mich selbst übernehmen, aber das wird mich in Isolation und Einsamkeit treiben und auf lange Sicht unglücklich machen. Das heißt wenn ich für mich selbst erkenne, dass ich den anderen brauche, dann erst werde ich mich überhaupt danach austrecken mich mit dem anderen zu verbinden.

Wie mache ich jetzt aber diese Verbindung möglich? Ich kann versuchen den anderen dazu zu bewegen mit mir eine Beziehung aufzubauen, in dem ich mich verstelle – dem anderen gebe was ich denke was er haben möchte und im Gegenzug dazu erhoffe ich mir dann z.B. Akzeptanz, Nähe (zumindest körperlich), vielleicht auch Schutz. Das gleiche kann ich auch versuchen zu erzwingen und auch das kann oberflächlich betrachtet zu Erfolg führen. Am Ende des Tages werden wir aber feststellen egal welche Methode wir anwenden, um den anderen dazu zu bewegen eine Beziehung mit uns einzugehen – es wird nicht funktionieren, zumindest nicht so wie wir uns wünschen. Echte Beziehung habe ich und spüre ich nur, wenn jemand mich kennt – wenn jemand meinem wahren ich freiwillig nahe ist. Je ehrlicher ich bin desto näher kann ich dem anderen sein – natürlich ist das auf beiden Seiten erforderlich.

An deiner Hand

(c) Lenna Heide

Welche Wahrheit ist dafür aber notwendig? Muss ich dem anderen einen detaillierten Lebenslauf vorlegen? Ihm erlauben meine geheimen Schubladen durchzusehen? Führt das zu Beziehung? Ich denke, dass worüber ich ehrlich sein muss sind meine Gefühle – und meine Gefühle offenbaren meine Bedürfnisse. Wenn ich auf so einer Weise ehrlich werde vor einer anderen Person, dann kann sie sich in mich hineinfühlen und ich fühle mich verstanden und verbunden. Dazu kommt noch, dass die andere Person dann entscheiden kann, ob sie meinen Bedürfnissen begegnen möchte – und hier ist es wichtig, dass wir nicht in einen Anspruch reinrutschen – die Verbindung entsteht schon, wenn ich mich geöffnet habe – wenn ich aber den anderen danach dazu drängen möchte meinem Bedürfnis unbedingt zu begegnen wird die Beziehung auch sehr schnell wieder getrennt werden. Beziehung ist ein freiwilliges Geben und Nehmen.

Das was Nähe schafft ist, dass ich dem anderen offenbare: Ich brauche dich. Allein das Verstehen dieser Tatsache durch den anderen schafft eine Verbindung. Das ich den anderen brauche und wofür kann ich nur ganz differenziert ausdrücken, wenn ich in der Lage bin meine Gefühle wahrzunehmen zu benennen und zu kommunizieren (das kann durchaus auch nonverbal sein). Das beinhaltet auch, dass ich mich verletzlich mache. Durch so eine Offenbarung gebe ich mich dem anderen und er kann entscheiden, ob er das nehmen möchte oder nicht. Er nimmt in dem er mir etwas von sich zurückgibt – so kommen wir in einen Fluss, der uns manchmal für immer – manchmal nur für einen Moment verbindet. Aber solche Momente sind es in denen wir die Ewigkeit spüren können und ein wenig von dem was aus dem Paradies beschrieben wird: Sie waren nackt und sie schämten sich nicht. Für mich ist das vor allen Dingen eine Beschreibung für die Ehrlichkeit und Freiheit mit der Adam und Eva ihre Beziehung gelebt haben.

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(c) Rudis-Fotoseite.de/Pixelio.de

Zusammengefasst denke ich: Um eine Beziehung möglich zu machen muss ich in der Lage sein meine Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und bereit sein diese meinem Gegenüber zu offenbaren ohne eine Erwartungshaltung, aber mit Hoffnung, dass der andere diesen Teil von mir annimmt und einen Teil von sich offenbart, der sich dann wiederrum mit mir verbindet.

Sobald ich anfange meine Gefühle ganz oder auch nur teilweise wegzuschließen – egal ob ich sie nur nicht zeigen will oder sogar nicht annehmen will oder abspalte – werde ich erleben, dass keine echte Beziehung mehr möglich ist – bis hin zu völliger Gleichgültigkeit allen anderen Menschen gegenüber.

Gefühllosigkeit wird immer zu Beziehungslosigkeit führen, weil meine Gefühle die Eintrittskarte zu meinem Herzen sind. In dem Film wurde es so beschrieben, dass die Hauptperson keine Traurigkeit empfinden möchte bzw. denkt, dass sie das nicht darf – das führt dazu, das auch die Freude verschwindet, dass Beziehungen kaputt gehen und sie am Ende fast gefühlskalt ist. Als sie sich aber entscheidet die Traurigkeit endlich zuzulassen wird ihr inneres um einiges reicher, Gefühle werden differenzierter und Beziehungen werden weiter. Für mich macht es deutlich, dass jedes Gefühl wichtig ist und dass es wirklich keine „schlechten“ Gefühle gibt, weil jedes mich weiterbringt, wenn ich richtig damit umgehe.

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