Gottes Stimme fühlen…

In den letzten Jahren hat es endlich einiges an Literatur gegeben zum Thema Gottes Stimme hören. Es wurde Fragen beleuchtet wie: Geht das überhaupt?, Wie macht man das?, Woher weiß ich das es wirklich Gott war? ,usw. Und es gibt dazu auch ein paar richtig gute Bücher besonders empfehlen kann ich das Buch: Kannst du mich hören? Von Brad Jersak (zu dem Buch gibt es auch eine richtig gute Kinderversion). Ausführlich beleuchtet wird dabei meistens der Part des Sehens – also Visionen und Träume und auch das Hören – also entweder die wirklich akustisch hörbare Stimme Gottes oder die leise innere Stimme, die wir meistens hören. Ich werde in diesem Artikel auch nicht auf das Prüfen und andere Details eingehen, da dies wie gesagt in verschiedenen Büchern schon richtig gut erklärt wird, ich sehe das was ich aufgeschrieben habe, eher als kleine Ergänzung.

Ich habe gelernt, dass Gott ein ganzheitlicher Gott ist und er will all unseren Sinnen begegnen, also ist es zusätzlich zum sehen und hören auch möglich Gott zu schmecken, zu riechen und zu fühlen bzw. zu ertasten. Ich hab den Artikel zwar Gottes „Stimme“ fühlen genannt, aber im Grunde geht es ja nicht um die Stimme – sondern um die nonverbale Kommunikation mit Gott. Es ist ja auch schon mit Studien belegt, dass wir Menschen uns viel mehr Nonverbal als Verbal verständigen, das heißt zusätzlich zu dem was gesagt wird durch Mimik, Körperhaltung, Tonfall, usw. Deswegen vermute ich, dass das bei Gott genauso ist, denn wir sind ja nach seinem Bild gemacht. Tatsächlich ist es so, dass das Fühlen meine Primäre Art ist mit Gott zu kommunizieren. Das Fühlen ist meines Erachtens aber wesentlich schwieriger zu identifizieren und einzuordnen und deswegen hatte ich auf dem Herzen meine Erfahrungen damit mit euch zu teilen – in der Hoffnung, dass es jemandem dem es genauso geht hilft schneller voranzukommen bzw. einfach besser zu verstehen was da vor sich geht.

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(c) Lenna Heide

Zuerst einmal möchte ich mal kurz beschreiben wie das „Fühlen“ Gottes von statten gehen kann und wie man sich das bildlich vorstellen kann. Eine der schwierigsten Hürden, die man überwinden muss, wenn man Gott fühlt, ist das Gefühl, dass man nicht so klar sieht/hört wie Menschen, die halt ganz klare Bilder sehen oder ganz klare Sätze hören (wobei man natürlich all diese Dinge zu verschiedenen Zeiten erleben kann), aber ich für meinen Teil hab festgestellt, dass man auch ganz klar fühlen kann. Die Schwierigkeit, die man dabei hat ist: Dass man nur fühlen kann, wenn man ganz nah an jemandem dran ist und das gilt auch in der Beziehung zu Gott. Je näher ich aber dran bin, desto mehr verschwimmt normalerweise die Wahrnehmung für das was ich bin und das was der andere ist – insbesondere, wenn man kein Gespür für seine eigenen Grenzen hat. Das ist dann genauso auch in Beziehungen mit anderen Menschen schwierig.

Kommen wir aber erst einmal zu einer Auflistung wie ich Gottes Stimme fühlen bisher erlebt hab (wobei, da immer noch Raum ist für Erweiterung).

  1. Ich weiß einfach, dass ich weiß.

Damit meine ich: Es gibt manchmal Situationen, da weiß ich was Gott tut oder sagt ohne dass ich es wirklich gesehen oder gehört hätte. Ich fühle sozusagen, dass er es tut oder sagt. Am Anfang hat es mich sehr verunsichert, da es irgendwie noch mehr Glauben erfordert als auf ein Bild oder auf ein Wort zu vertrauen, aber auch hier kann man einfach durch das Aussprechen im Glauben und das Feedback der anderen oder die Frucht, die man später beobachten kann darin sicher werden, wie sich Gottes Stimme anfühlt.

2. Starke Gefühle ohne Auslöser

Manchmal bin ich in Situationen in denen mich plötzlich richtig starke Gefühle überkommen, die im natürlichen Bereich keinen Auslöser haben. Das können ganz verschiedene Situationen und Gefühle sein. Zum Beispiel hab ich in einer Lobpreiszeit mal eine unglaubliche Wut darüber bekommen was der Alkohol in so vielen Familien angerichtet hat. Gott hat mir einfach mal sein Herz über all die Kinder offenbart, die mit Alkoholkranken Eltern aufgewachsen sind und es hat mich wirklich erschüttert. Später hab ich für ein Gebet/Gespräch mit einer Person gebraucht um die Person verstehen zu können. Oder es überkommt mich einfach tiefe Liebe für eine Person, die ich kaum oder überhaupt nicht kenne, das können manchmal auch Personen des öffentlichen Lebens sein und ich weiß, dass Gott diese Liebe in mich hineingibt, damit ich für die Person beten kann oder der Person so begegnen kann, damit sie heil werden kann.

Früher hat mich das völlig durcheinander gebracht, weil ich das Gefühl hatte, irgendwas stimmt nicht mit mir – sobald ich aber gelernt habe in diesen Gefühlen Gott zu suchen ist mir vieles klar geworden.

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(c) Lenna Heide

3. Gottes Herz verstehen

Manchmal ist es so, dass Gott mir in Zeiten mit ihm einfach sein Herz offenbart. Seine Traurigkeit, seine Freude, seine Liebe, etc. Ganz einfach, um mir nahe zu sein – genauso, wie ich ihm meine Gefühle mitteile und zeige. Am Anfang hat mich das irritiert, weil ich immer das Gefühl hatte: Ich muss damit etwas „machen“. Aber dafür sind diese Zeiten nicht da, sondern dafür ihn besser kennenzulernen und mein Herz mit seinem eins zu machen. In dem Lied Hosanna von Hillsong heißt es im Text: Lass mein Herz für die Dinge zerbrechen für die dein Herz zerbricht…und das trifft es eigentlich ganz genau.

4. Gott körperlich spüren

Es gibt auch Zeiten in denen Gott wirklich körperlich spürbar ist. Das kann sich in Wärme oder Kribbeln äußern, aber manchmal spürt man auch richtig, dass man gehalten, angestupst oder geküsst wird. Diese Zeiten, so denke ich, sind insbesondere dafür da, unsere Herzen zu heilen und Gott für uns noch „realer“ werden zu lassen.

5. Sich in Gott hineinversetzen

Das passiert mir meistens in Träumen. Ich habe schon einige Träume gehabt, die ich erst verstanden habe, als ich zugelassen habe, dass der Heilige Geist mir erklärt, dass ich in dem Traum die Rolle von Gott hatte. Es war erst schwierig für mich anzunehmen, aber als ich den Gedanken zugelassen habe, habe ich verstanden warum das wichtig war. Dadurch, dass ich im Traum in Gottes Rolle schlüpfen durfte konnte ich sozusagen aus erster Hand fühlen, was in ihm vorgeht in bestimmten Situationen.

Zum Beispiel hab ich mal geträumt, das mein Mann mir auf einer Party mit einer anderen Frau fremdgeht und überhaupt nicht versteht warum mich das verletzt. Ich saß dann also auf dieser Party in einem Nebenraum und konnte kaum aushalten mir das anzuschauen und konnte kaum abwarten bis endlich der Zeitpunkt kommt, wann wir endlich nach Hause fahren. Und trotzdem hatte ich so eine unendliche Liebe zu ihm, dass es mich fast zerrissen hätte. (Diese Situation ist weder so noch ähnlich wirklich vorgefallen, nur damit keine Gerüchte entstehen :).) Was ich nach diesem Traum aber genau nachfühlen konnte war, wie es Gott geht, wenn ich mein Herz an andere Dinge/Menschen hänge und dann noch nicht einmal verstehe, dass es ihn verletzt. Ich hab verstanden wie sehr er sich wünscht, dass ich mit ihm nach Hause komme.

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(c) Lenna Heide

Um das einfach mal bildlich zu beschreiben – für mich ist es nämlich immer sehr hilfreich ein inneres Bild zu einer Sache zu haben finde ich folgendes Beispiel gut: Vor kurzem hatte ich einen Eindruck bei dem ich bei Jesus gesessen habe und er hat mich aufgefordert meine Hand auf seinen Mund zu legen (so als würde ich ihm den Mund zu halten). Ich war erst irritiert, aber hab ja schon gelernt lieber zu hören, wenn er was sagt 🙂 und hab es dann gemacht. Während meine Hand auf seinem Mund lag hat er gesprochen und ich hab verstanden was er gesagt hat. Und sofort hab ich mich an Helen Keller erinnert. Ich hatte vor kurzem eine Kurzbiografie von ihr gelesen. Wer sie nicht kennt: Helen Keller hatte mit zwei Jahren eine Hirnhautentzündung und war danach blind und taub. Man könnte meinen, dass dann eine Kommunikation mit der Außenwelt so gut wie unmöglich ist, aber Helen hat gelernt zu sprechen und zu lesen und hat sogar studiert und ein Buch oder sogar mehrere geschrieben. In dieser Biografie war dann auch beschrieben auf welche Arten sie gelernt hatte zu hören. Unter anderem hat sie es so gemacht, dass sie ihre Hand auf den Mund einer oder manchmal auch auf den Mund von zwei Personen gelegt hat und so dann zugehört bzw. zugefühlt hat was die Personen miteinander oder zu ihr reden. So ungefähr ist es, wenn wir Gottes Stimme fühlen.

Ein paar Dinge sind mir noch wichtig, die hilfreich sind, um im Fühlen klarer und sicherer zu werden. Ich für mich hab festgestellt, dass ich, wie ich oben schon kurz erwähnt habe, ganz genau lernen muss, wo sind meine Grenzen? Was ist von mir und was ist nicht von mir? Solange ich das nicht unterscheiden kann werde ich immer unsicher sein, ob ich jetzt von Gott gefühlt habe oder ob es aus meiner Seele kommt. Natürlich kann man das nie wirklich 100% trennen, genauso wie das beim sehen und hören und riechen und schmecken auch nicht geht, denn die Sachen gehen durch uns durch. Und ich bin auch überzeugt davon, dass Gott das so möchte. Es ist für ihn in Ordnung, dass ich etwas auf meine Weise weitergebe und jemand anders auf die Art und Weise, wie Gott ihn/sie gemacht hat. Dadurch werden die Facetten seines Redens viel bunter und vollständiger. Wichtig ist aber, dass ich darauf achte meinen „Kanal“ rein zu halten. So wie ich darauf achte was ich mir ansehe und was ich mir nicht ansehe oder anhöre und nicht anhöre – so muss ich auch auf meine Gefühle achten.

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(c) Lenna Heide

Für viele beginnt die Arbeit sogar noch ein wenig früher. Viele von uns müssen erst Mal lernen ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen, benennen zu können und dann auch noch einen Weg finden darauf angemessen zu reagieren. Solange ich meine Gefühle nicht verstehe, werde ich auch nicht verstehen was Gott zu mir durch meine Gefühle spricht.

Der andere Punkt ist Seelenhygiene. Ich muss darauf achten meine Gefühle in Ordnung zu halten. Wenn ich Gott fühlen will, kann ich es mir nicht leisten Gefühle wegzusperren, und nicht fühlen zu wollen, denn dann wird sich dieser Kanal zu Gott schließen bzw. er wird schwächer werden. Ich kann nicht nur einen Teil meiner Gefühle wegsperren, es wird immer alle Gefühle betreffen. Für mich bedeutet das: Prozesse nicht schleifen zu lassen sondern direkt anzugehen. Es bedeutet für mich auch manchmal, dass ich z.B. weiß, wenn ich in eine Lobpreiszeit gehe, dass ich zulassen muss, dass Gott mein Herz an einer Stelle berührt, die mir erst Mal weht tut, wenn ich aber nicht bereit bin das zuzulassen, weiß ich, werde ich eine Begegnung mit ihm verpassen. Aber an dieser Stelle sei gesagt: Gott überfordert auch nicht. Das was er anspricht ist das was gerade für uns möglich und gut ist. Es ist auch nicht so, dass wir sofort wissen müssen wie wir die Gefühle bearbeiten oder verarbeiten sollen, wichtig ist, dass wir ehrlich sind mit unseren Gefühlen und erlauben, dass er uns darin begegnet.

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(c) Lenna Heide

Auch wenn diese Art der Wahrnehmung von Gott oft mehr Einsatz erfordert als die anderen Arten so ist sie mir in den letzten Jahren immer lieber geworden. Natürlich erfordert es Mut und oft etwas mehr Zeit, um herauszuarbeiten was da gerade vor sich geht, aber der Gewinn ist enorm.

Vor allen Dingen schätze ich die Ausgießung der Liebe Gottes, für andere Menschen, in mein Herz. Denn ich weiß, dass nur meine Liebe zu ihnen mir die Autorität geben wird diese Menschen heilsam zu berühren und sie zu seinem Herzen zu ziehen…und am Ende ist es ja genau das was unser Auftrag hier auf der Erde ist.

Wenn Du hier unten angekommen bist: Erst Mal Danke fürs lesen. Falls Du Erfahrungen mit diesem Thema gemacht hast würde ich mich über ein Feedback freuen. Hast du das auch so erlebt oder eher anders? Falls Du noch Fragen hast bin ich dafür auch offen – auch wenn ich natürlich nicht weiß, ob ich alle Fragen beantworten kann so werde ich es zumindest versuchen.

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4 Gedanken zu “Gottes Stimme fühlen…

  1. Danke, liebe Lenna! Deine Seite HerzamWerk ist so oft eine Auferbauung und Ermutigung. Du sprichst so in mein Herz. Du hast die Gabe mit Kreativen und liebevollen Worten Herzen zu berühren. Das stimmt oft sperren wir unsere Gefühle weg und wundern uns warum wir keinen Zugang zu unseren liebevollen Papa im Himmel haben. Schmerz zu zulassen ist nicht immer einfach. Doch es lohnt sich uns es gibt keinen schöneren Trost als von unserem Jesus getröstet zu werden. Und nur so kann Heilung geschehen. ❤

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  2. Hallo Lenna 🙂 danke für den tollen Post! Er hat mich sehr angesprochen. Das Thema Gefühle und Seelenhygiene ist mir auch ziemlich wichtig, besonders weil ich weiß, dass da immer mal ziemliches Chaos herrscht. Ich möchte auf jeden Fall mehr lernen, Gott hineinsprechen zu lassen und Gefühle richtig zu deuten. Wenn du noch mehr Erfahrungen damit teilen möchtest, würde ich mich freuen! Ich erlebe das manchmal so, dass ich z.B. im Bus sitze und eine große Sensibilität für die Nöte der Menschen spüre und die Rast- und Heimatlosigkeit in ihren Augen sehe. Das sehe ich als so ein Fühlen der Liebe Gottes für die Menschen. Bisher habe ich das als eine Last gesehen, die ich aber gern tragen möchte, wenn Gott sie benutzen kann, damit mein Herz weicher und offener wird und ich ihm diese Menschen im Gebet bringe. LG, Anne

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    • Liebe Anne, das was du beschreibst kenne ich auch, allerdings musst ich in diesem Bereich lernen zu schauen: Was ist einfach meine Wahrnehmung so von Mensch zu Mensch und was sind wirklich die Dinge, die Gott möchte das ich fühle. Mir hat dann oft geholfen einfach, um Gottes Schutz zu beten, das er bitte filtern soll was ich fühle und wenn es da was gibt, dass ich fühlen soll, dass das alles ist was zu mir durchkommt. Ich musste da ganz bewußt auch eine Entscheidung treffen, nicht mehr umbedingt alles „fühlen“ bzw. wissen zu wollen, so blöd das klingt, aber es hat ja auch eine gewisse Form von Macht, die man dann hat, weil man einfach zusätzliche Information über den anderen hat. Geholfen hat mir auch zu merken: Wenn Gott mich Dinge fühlen lässt bleibt da kein bitterer Nachgeschmack für Tage und Wochen und auch keine Last oder Traurigkeit, die nicht weggehen will – es ist eher so, dass er es zeigt und dann wieder mitnimmt. Ich wünsch dir auf jeden Fall auf deiner Entdeckungreise mit Gott seinen Segen und Freiheit am Ende immer wieder alles an ihn loszulassen.

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