Was mein Herz gerade bewegt

Bevor ich erzähle was mir gestern passiert ist möchte ich noch kurz etwas erwähnen, was auch zum Thema passt und was mich in den letzten Wochen zum Nachdenken gebracht hat. Nach meinen letzten beiden Predigten (im Juli und im November 2016) ist mir etwas aufgefallen was mich erstaunt hat. Und zwar war es so, dass hinterher unabhängig voneinander einige Kinder zu mir gekommen sind und mich gelobt haben und mir auch sehr speziell gesagt haben was ihnen an der Predigt gefallen hat. Das hat mich wie gesagt sehr überrascht aber auch unheimlich geehrt, weil ich überhaupt nicht so sehr erwarte, dass sie so genau zuhören.

Ich war tatsächlich auch etwas irritiert, weil ich mich gewundert habe warum sie das machen und ich war mir sicher es liegt nicht unbedingt daran, dass ich so viel toller als andere Menschen predige. Ich bin aber zu keinem Ergebnis gekommen…bis ich vor zwei Wochen beim Aufräumen plötzlich  die Zettel einer alten Predigt in den Händen hatte und mein Blick fiel auf einen Satz, den ich damals gesagt habe – und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Tatsächlich hatte ich damals die Kinder gebeten mit Feedback zu geben, weil es mir wichtig ist was sie denken und weil ich auch wissen wollte/will ob das was ich sage/zeige auch ihre Herzen erreicht…aber ich hatte es total vergessen, dass ich das damals gesagt habe umso mehr war ich jetzt begeistert darüber, dass die Kinder sich das zu Herzen genommen haben und es einfach gemacht haben. Ich muss sagen, sogar jetzt bin ich noch sehr gerührt darüber. Was ich aber auch anmerken muss: Alle diese Kinder, die zu mir gekommen sind, sind Kinder, die ich kenne. Mit jedem dieser Kinder hab ich mich schon mal hingesetzt und geredet, gefragt wie es ihm/ihr geht oder sie zu mir nach Hause eingeladen zum basteln oder spielen und hier komm ich zu dem worum es mir heute geht…aber ich muss dafür etwas weiter ausholen.

Gestern beim Gebet hatten wir eine Lobpreiszeit und in dieser Zeit haben wir das Lied: „Der Himmel zeugt“ gesungen. In diesem Lied heißt es über Gott (na eigentlich über Jesus, aber für Gott gilt das auch :)): In Ewigkeit bist du…Und dieser Satz ist irgendwie vor meinem inneren Auge sichtbar geworden. Ich hab Gott als Zentrum gesehen mit ganz vielen Zeitkreisen um ihn herum.

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Er als Ewigkeit und um ihn herum die Zeit, die er geschaffen hat. Und dann hab ich gedacht: „ Wo in diesen Zeitkreisen bin ich eigentlich aufgepoppt?“ und hab das ungefähr versucht zu lokalisieren und im zweiten Gedanken dann hab ich gedacht: „Ganz schön spät – da gabs es eine ziemlich lange Zeit in der ich nicht Teil der Geschichte war.“ Aber Gott hat mich dann an einige Bibelstellen erinnert in denen klar wird, das er von Anfang an geplant hatte, das es mich geben wird – das er mich sozusagen bevor ich in der Zeit sichtbar wurde schon längst in seinem Herzen getragen hat und da hat mich eine unglaubliche Freude überkommen, denn ich hab mir vorgestellt was für eine Freude es für ihn gewesen sein muss nach so langer Zeit endlich zu sehen was er vorher in sich getragen hat. So wie es einer Mutter nach 9 Monaten mit ihrem Baby geht…nur halt um ein vielfaches verstärkt.

Während ich so mit meinem Bild beschäftigt war ist der Lobpreis in einen Sprachengesang übergegangen und ich hab in der Reihe vor mir einen Papa mit seinem Kind bemerkt. Die Kleine ist noch kein Jahr alt, aber sobald wir anfingen in Sprachen zu singen hat sie miteingestimmt und mein erster Gedanke war: „Wie süß, das klingt ja fast als würde sie auch in Sprachen singen.“ Und fast im selben Augenblick hat Gott mir die Auslegung zu ihrem Sprachengesang gezeigt. Ich hab eine kleine Pflanze gesehen, die aus der Erde sprießt und an der zwei grüne Blätter hingen.pflaenzcgeb_newEtwas irritiert hab ich mich gefragt, ob ich grad spinne – also hab ich Gott einfach gebeten: Wenn das jetzt grad wirklich eine Auslegung war, dann wiederhol das bitte, damit ich sicher sein kann. Und kurze Zeit später fing die Kleine wieder an zu singen und wieder hatte ich sofort einen Eindruck dazu: Ich hab gesehen wie Jesus als Töpfer etwas herstellt, was aber nur ganz unten schon deutlich zu sehen war alles andere war in eine Staubhülle gehüllt – einfach als Bild dafür, dass noch nicht sichtbar ist was am Ende daraus werden wird.
Gleich danach hab ich vorne im Gottesdienstraum zwei  überdimensional große Flügel gesehen und erst angenommen, dass es ein Engel ist aber nach genauem hin schauen hab ich festgestellt, dass es ein riesiger Adler war. Er hat seine Flügel ausgebreitet –wobei ein Flügel die kompletten Sitzreihen auf der einen und der andere die kompletten Sitzreihen auf der anderen Seite überschattet hat.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich noch nicht genug gesehen hatte und so bin ich zurück in das Bild und wollte mir den Adler genauer ansehen, aber was ich gesehen habe war, dass er ein riesengroßes Ei in seinen Krallen hatte und als er losflog hat er das Ei in der Mitte des Ganges liegen lassen. Also hab ich mir das Ei so angeschaut und mich gefragt was wir jetzt damit tun sollen? Er wird es ja nicht ohne Grund liegen gelassen haben.

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Mein erster Gedanke war: Ausbrüten! Was soll man auch sonst mit einem Ei machen? 🙂 Und wie brütet man etwas aus? Mit ganz viel Nähe und Wärme…Blieb jetzt nur noch die Frage für mich: Was sollen wir eigentlich ausbrühten. Wofür steht dieses Ei symbolisch? Während ich so fragend vor Gott stand kam dann die ganz einfache und logische Antwort: „Eure Kinder. Kümmert euch um die Kinder in eurer Familie, in der Gemeinde und auch überall sonst. Versteht, wie sehr mir die Kinder am Herzen liegen. Gebt ihnen eure Zeit und eure Liebe nochmal ganz bewusst und ich verspreche euch, das was ihr da ausbrühten werdet wird eure Erwartungen bei weitem übertreffen.“ Und plötzlich hat der ganze Weg den die Eindrücke gemacht haben Sinn für mich gemacht: Gottes Erinnerung daran wie krass sich das was wir sagen und tun bei Kindern auswirkt, seine Offenbarung darüber was für eine Freude ausgeschüttet wird, wenn etwas was wir „ausbrühten“ sichtbar wird und auch die Bilder die ich vom Sprachengesang des Kindes gesehen habe – weil beide Bilder bei mir die Bibelstelle aus Jesaja haben aufklingen lassen in der Gott sagt: „Siehe ich mache etwas neues, seht ihr es denn nicht?“
Ich habe selten so eine Dringlichkeit in Gottes Reden gespürt und seinen ganz klaren Ruf unseren Fokus nochmal ganz neu auf unsere Kinder zu legen. Stellt sich jetzt nur noch die Frage: „Wie können wir das ganz praktisch machen?“
Ich hab heute den ganzen Tag darüber nachgedacht und ich glaube, wir werden für diese Aufgabe jeden einzelnen brauchen. Es geht nicht darum noch bessere Programme und Veranstaltungen für Kinder zu planen (wobei ich auch nichts dagegen einzuwenden habe), sondern ich glaube es ist nötig, dass jeder einzelne von uns seinen Umgang mit Kindern ändert. Das wir anfangen gerade glaubenstechnisch unsere Kinder ernst zu nehmen. Wenn unsere Kinder Bilder malen oder von Träumen erzählen, dass wir dann davon ausgehen, dass unsere Kinder Zugang zur übernatürlichen Welt haben und sie nicht belächeln. Das wir sie auch in unsere Glaubensprozesse mithineinnehmen – in einer Sprache die sie verstehen und in einem Ausmaß, das ihrem Alter entspricht.

Aber auch das wir sie persönlich ernst nehmen – das wir sie fragen wie es ihnen geht und dann auch zuhören, wenn sie uns von ihrem Leben erzählen, das wir ihnen ihre Grenzen lassen und vor allen Dingen, dass wir uns Zeit für sie nehmen. Ganz besonders im Rahmen der Gottesdienstveranstaltungen können wir auf viele Dinge achten, die Kinder mithineinnehmen. Das fängt an bei den Predigten und beim Lobpreis – da muss sich einfach jeder der in diesem Bereich tätig ist fragen: Wie kann ich Kinder ganz natürlich mit einbeziehen – es soll nicht zu einer pädagogischen Übung werden.

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Ein Bild, das mein Neffe Joshua mir vor drei Wochen nach dem Gottesdienst gemalt hat.

Aber auch im Drumherum. Lasst uns einfach das Gespräch suchen und Zeit verschenken. Das muss ja noch nicht mal jeden Sonntag sein – aber vielleicht einmal im Monat ganz bewusst, das wäre doch ein Anfang.
Ich für mich hab mit folgenden Sachen gute Erfahrungen gemacht: Manchmal nehm ich mir einfach ein paar Stifte und Blätter mit und nach dem Gottesdienst setzte ich mich mit ein paar Kindern an einen Tisch und wir malen zusammen. Manchmal zu einem bestimmten Thema, manchmal einfach so. Und während wir so gemeinsam malen kommen wir ins Gespräch über das Malen und auch über andere Dinge. Manchmal nehm ich einfach ein Spiel mit und dann setz ich mich mit ein paar Kindern zusammen und wir spielen einfach ein paar Runden ein ganz einfaches Spiel. Ich versuche daran zu denken, wenn Kinder Geburtstag haben und bringe ihnen dann etwas kleines mit – schon ein Überraschungsei macht die meisten Kinder mehr als glücklich.

Und natürlich kann man nicht mit jedem Kind eine enge Beziehung aufbauen – einfach weil die Zeit dafür nicht reicht und weil man nicht zu jedem Kind (wie auch nicht zu jedem Erwachsenen) einen Draht hat – aber wenn alle anfangen auf solche kleinen Dinge zu achten bin ich mir sicher, dass sich für jedes Kind eine Bezugsperson finden wird. Im Grunde genommen wäre es das einfachste, wenn sich jeder nur mal kurz erinnern würde, was ihm als Kind gut getan hätte…Wir können das nur gemeinsam schaffen… Ich weiß, dass das heute ein ziemlicher langer Text ist und ich muss sagen: Respekt, dass du hier unten angekommen bist und Danke.

 

P.S.: Was mir auch noch wichtig ist: Alles was wir mit Kindern tun, die nicht unsere sind sollte entweder so geschehen, dass es für die Eltern sichtbar ist (also so, dass diese in der Nähe sind) oder in Absprache mit ihnen und aus einem Vertrauensverhältnis heraus. Auch glaube ich, dass Körperkontakt sehr zurückhaltend stattfinden sollte. Das ist etwas was Aufgabe der Eltern ist (kuscheln, auf den Schoß nehmen, etc.). Eine Umarmung zum Geburtstag oder ein Schulterklopfen, etc. würde ich aber als in Ordnung ansehen, wenn eine gute Beziehung zu dem Kind vorhanden ist.

 

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