Das ist auf jeden Fall meine Meinung: Zeit

Ist es nicht interessant, dass Kinder instinktiv wissen, dass Zeit etwas sehr wichtiges ist – obwohl sie noch eine ganz andere Wahrnehmung davon haben? Denn das wofür die Eltern Zeit haben, das scheint wichtig zu sein…im Zweifelsfall wichtiger als man selber. Natürlich fehlt einem Kind logischerweise auch noch die Weitsicht, dass Eltern ihre Zeit in Arbeit und Haushalt, usw. auch investieren, damit es den Kindern gut geht, aber ich denke viele Kinder wären dankbarer für etwas mehr Zeit  als für eine dritte Spielekonsole…zumindest irgendwann im Rückblick :).

Ich denke, es ist wirklich so, dass man wenn man sein Leben unter dem Aspekt „Für was nehme ich mir Zeit?“ betrachtet, das man daran sehr leicht ablesen kann, was mir eigentlich wichtig ist.
Und wenn ich ehrlich bin gefällt mir das was ich sehe nicht immer – aber vielleicht müssen wir auch lernen ein bisschen mehr „dahinter“ zu schauen?
Warum nehme ich mir eigentlich so viel Zeit für meinen Blog z.B. und kürze dafür an anderer Stelle, wirklich nur, weil ich lieber „unpersönlich“ mit Menschen in Kontakt bin als mich mal mit jemandem zum Reden zu treffen? Oder hab ich einfach einen Weg der Reflektion für mich selbst gefunden, der zusätzlich ein Segen für andere sein kann?

(c) Karl Dichtler / pixelio.de

Warum schlafe ich lieber 2 Stunden länger als zu einem frühmorgendlichen Gebetskreis zu gehen? Vielleicht weil ich verstanden habe, dass ich diese zwei Stunden brauche, damit ich den Rest des Tages ganz anwesend bin anstatt mich gähnend und geisterartig durch den Tag zu quälen.
Ich plädiere also durchaus dafür sich auch wohl wollend kritisch zu hinterfragen, trotzdem finde ich es für mich selbst auch immer wieder wichtig mir bewusst zu machen wofür verwende ich eigentlich meine Zeit? Und ist das sinnvoll? Will ich wirklich, dass diese Dinge Priorität haben in meinem Leben oder sind das teilweise nur schlechte Gewohnheiten?

Und dann sortiere ich neu oder auch nicht – aber auch wenn ich nicht neu sortiere, so gebe ich im Endeffekt meine Zeit auf die gleiche Weise aber bewusster…denn Zeit ist im Grunde das einzige was wir wirklich besitzen und es ist das einzige was wir verschenken können – eine Zeit die sonst niemand hat – und das ist meiner Meinung ein kostbares Gut…das ist auf jeden Fall meine Meinung und was denkst du?

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Das ist auf jeden Fall meine Meinung: Konfliktscheuheit

Es gibt ja so Menschen, die auf Krawall gebürstet sind und die gefühlt mit jedem Menschen anecken und dann gibt es den Rest von uns, die die am liebsten jeden Konflikt vermeiden möchten. Und es gab mal eine Zeit, da war ich auch so zumindest im Großen und Ganzen.  Wobei ich dazu sagen muss, dass ich nicht zu den Extrem-Konfliktscheuen und Harmoniebedürftigen Menschen gehöre – aber auf einen Konflikt hat ja normalerweise niemand so richtig Lust. Ganz einfach: Weil es anstrengend ist und jedem von uns irgendwie Angst macht.

Allerdings hab ich festgestellt, dass es verschiedene Gründe gibt, warum wir dazu neigen Konflikte zu vermeiden. Einige Menschen haben grundsätzlich Angst davor, dass es zu Unstimmigkeiten kommt, weil sie Angst vor Trennung haben oder vor Ablehnung, andere haben Angst sich nicht gegen die andere Person behaupten zu können und fürchten, dass es nach dem Konflikt vielleicht sogar noch schlimmer wird…dieses neue, andere „schlimm“ ist ja vielleicht noch schwerer auszuhalten als das „schlimm“ davor – es ist sozusagen die Angst vor Veränderung oder vor dem Ungewissen. Ich zum Beispiel gehör zu denen, die gar nicht erst zugeben möchten, dass ihnen was nicht gefällt oder das sie mit etwas nicht zurecht kommen, weil sich das wie schwach sein anfühlt oder wie „zu sensibel sein“ und ich bin nicht gerne schwach oder sensibel bzw. war das nicht gerne. Und natürlich gibt es bestimmt noch viele andere Gründe. Ich denke, jeder muss für sich erst mal diesen Weg der Erkenntnis gehen: Was macht mir eigentlich Angst daran? Warum schrecke ich zurück?

(c) Lenna Heide

Und dann ist es vielleicht dran mal zu überlegen, ob es nicht an der Zeit wäre diese Angst mal zu überwinden. Denn es ist ja leider so: Wenn ich aus Konfliktscheuheit schweige und alles herunterschlucke wird es normalerweise irgendwann dazu kommen, dass ich mich entweder zurückziehe und damit dann selber die Trennung bzw. Ablehnung durchführe und von der anderen Person wahrscheinlich als „zu sensibel“ wahrgenommen werde  oder ich staue so viel Ärger auf, dass ich explodiere und im Affekt dann von der anderen Person auch nicht ernst genommen werde – mich also erst recht nicht behaupten kann.
Im Grunde genommen kann ich das wovor ich Angst habe also selten umgehen – vielleicht nur ein wenig hinauszögern.
Ein kurzer Exkurs noch zu „christlichen“ Ausreden bzw. Begründungen für Konfliktscheuheit:
Es gibt auch noch die Variante in der man sich Konfliktscheuheit schön redet mit dem Satz: Ich decke das einfach mit Liebe (bzw. Gnade) zu.
So schön und fromm das meistens klingt – so ist das oft aber nicht der christliche Weg. Natürlich gibt es Situationen in denen ich Dinge einfach vergeben kann ohne sie anzusprechen – aber ich denke, dass macht nur Sinn, wenn es sich Ausnahmefälle handelt. Konflikte basieren aber meistens auf Verhaltensweisen oder Verhaltensmustern einer anderen Person, die langanhaltend sind und sich normalerweise nicht ändern, wenn sie nicht angesprochen werden.
Im Bild gesprochen wäre das für mich so:
Meine Herdplatte ist an und ich merke es nicht und fasse drauf und verbrenne mich. Also denk ich: Ach Mensch, das will ich ihr nicht nachtragen, meine Hand heilt ja mit der Zeit, ich lass das jetzt einfach mal so stehen und decke das mit Liebe zu. Bei der nächsten Gelegenheit fass ich wieder drauf und verbrenn mich erneut und der Prozess wiederholt sich endlos. Aber in Wirklichkeit würder keiner von uns  beim zweiten Mal einfach genauso unbedacht wieder drauffassen…vielleicht die Herdplatte in Zukunft sicherheitshalber komplett umgehen…anstatt vielleicht mal die Herdplatte auszumachen oder etwas draufzustellen oder jemanden zu fragen wie man die Platte ausmachen kann, wenn man selber nicht weiß wie. Das ergibt einfach keinen Sinn. Und ich denke in Beziehungen ist das genauso. Einen Konflikt (gesund) anzusprechen ist ein Zeichen von Fürsorge für mich und für den Anderen und auch etwas, das, wenn der andere bereit ist darauf einzugehen, normalerweise Beziehungen stärkt.

(c) Lenna Heide

Dinge regeln sich selten von selbst – auch wenn es in dem Bereich natürlich auch Wunder gibt – aber normalerweise ist eine Aussprache wichtig und nötig. Und ich musste für mich feststellen, dass mein Verzicht auf eine Aussprache – weil ich schon vergeben habe und damit zurechtkomme – oft auch ein Zeichen von Lieblosigkeit war. Ich hab der Person gar nicht die Möglichkeit gegeben Dinge zurecht zu rücken oder verändern zu können…ich wollte es lieber alleine hinbekommen und das ist nicht der Weg der Beziehung. Also – weil ich denke, ich hab für heute genug geschrieben will ich heute nur noch sagen: Konflikte die aus Liebe angegangen werden mit dem Ziel Beziehung zu klären und zu stärken sind auf jeden Fall lohnenswert – auch wenn sie nicht immer so enden wie wir wollen – so sind sie doch immer ein wichtiger Lernprozess auf unserem Weg tiefer in Beziehung mit anderen Menschen zu kommen. Das ist auf jeden Fall meine Meinung und was denkst du?

Das ist auf jeden Fall meine Meinung: Partnerwahl

Passend zum 11. (standesamtlichen) Hochzeitstag hab ich gedacht verlier ich mal ein paar Worte über das Thema Partnerwahl.
Was ich dazu sagen will ist folgendes: Es ist wirklich eine gute Idee seinen besten Freund zu heiraten, weil ich hab das getan und bin bis heute begeistert über diese Entscheidung.
Ich denke, dass eine Freundschaft zum einen guter „Test“ ist, wie man überhaupt miteinander zurecht kommt – und zwar ohne von den „Körperdrogen“ der Verliebtheit verblendet zu sein. Damit will ich auf keinen Fall sagen, dass man nicht verliebt sein sollte oder das Verliebtheit nicht wichtig ist – im Leben nicht. Es ist auch keine gute Idee ohne Verliebtheit zu heiraten, denke ich – aber zurück zur Freundschaft. Ich stelle fest, dass unsere Freundschaft eine sehr gute Grundlage für unsere Beziehung gebildet hat und auch wenn sich alles nochmal verändert, wenn man dann ein Paar wird, so ist die Freundschaft doch immer noch da und trägt auch durch schwierige Zeiten.

Ich kann heute immer noch ganz ehrlich und dankbar sagen, dass mein Mann mein bester Freund ist und ich hoffe, dass das für immer so bleiben wird, denn ich schätze seine Ehrlichkeit und seinen Rat, seinen Humor (meistens zumindest :)), seine Art die Dinge zu sehen und manchmal einfach nur seine Anwesenheit. Wir haben schon in unserer Freundschaft gelernt über alles zu reden, den anderen auch mit einer anderen Meinung stehen lassen zu können, das wir uns auf einander Verlassen können und das wir uns gegenseitig schätzen. Ich mag meinen Mann nicht nur als Partner sondern auch als Freund und auch einfach als Mensch und ich weiß, dass es ihm genauso geht. Und ich glaube, dass wir deswegen bei vielen Dingen einfach gelassener sein können und das unser Vertrauen in einander schon lange vor unserer Beziehung fest stand. Letzens musste ich noch lachen als ich mich daran erinnert habe, wie ich damals für ihn gebetet habe, dass Gott ihm doch bitte die perfekte Frau gibt. Eine, die ihn so lieben kann wie er es verdient und auf die er stolz sein kann und und und….die Liste der Anforderungen war echt hoch. Ich geh jetzt einfach mal davon aus, dass Gott das Gebet erhört hat 🙂 – aber mit dieser Erhörung hab ich damals wirklich nicht gerechnet.


Ich bin so dankbar, dass wir ehrlich miteinander sein können auch wenn das manchmal im ersten Moment anstrengend ist und schwierig, aber mir sind 50 solcher Jahre lieber als 2 völlig harmonische in denen man sich die ganze Zeit etwas vormacht, weil das, meiner Meinung nach,  verschwendete Jahre wären. Und ich glaube unsere Freundschaft hat da sehr geholfen – wir wussten schon recht gut wie der andere wirklich ist – also hatte verstellen eh nicht so viel Sinn 😀
Manchmal im Alltag denk ich plötzlich an ihn oder ich schau ihn während wir reden auf einmal bewusster an und dann fällt mir auf wie gutaussehend, klug, humorvoll und fürsorglich er ist und mir wird klar: Ich hab den Jackpot bekommen…und ich bin von Herzen dankbar dafür.
Und auch wenn das heute eher eine Liebeserklärung als eine Meinung ist möchte ich sagen: Ich hoffe, jede von euch hat das Glück ihren besten Freund zu heiraten oder ist schon mit ihm verheiratet – denn etwas Besseres kann einem nicht passieren – das ist auf jeden Fall meine Meinung. Und was denkst du?

 

Das ist auf jeden Fall meine Meinung: Entschiedenheit

Um entschieden sein zu können, muss ich zuerst einmal eine Entscheidung treffen, aber es geht noch weiter: Ich muss auch den Willen haben bei meiner Entscheidung zu bleiben. Nun ist es im Leben aber so, dass nicht alle Entscheidungen, die man trifft gut sind bzw. für immer gut sind, weil sich Lebensumstände ja auch ändern. Bei diesen Entscheidungen ist es sicher auch immer mal wieder dran, diese zu überprüfen und sich neu auszurichten. Bei einigen Entscheidungen lohnt es sich aber, meiner Meinung nach, ruhig etwas entschiedener zu sein – nämlich wenn es um Beziehungen geht.
Ich hab mich heute an die Geschichte von Daniels Freunden im Feuerofen entschieden. Als sie vom König darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie verbrannt werden, wenn sie sich nicht vor seinem Götzenbild verbeugen sagen sie: „Wir glauben daran, dass Gott uns davor retten wird – und wenn nicht, dann ist er trotzdem noch unser Gott.“ Das hat mich irgendwie tief berührt.
Für mich geht das noch über den normalen Glauben hinaus. Es ist ja so, dass sie glauben, dass Gott das Gute für sie will, aber sie beschränken Gott nicht auf das was sie für gut halten. Im Grunde genommen sagen sie: „Wir haben uns entschieden wer unser Gott ist und wir halten zu ihm, egal was er tut.“ Und ich wünsch mir, dass mein Herz auch diese Entschiedenheit Gott gegenüber hat komme was wolle.

(c) 110stefan / pixelio.de

Wenn ich dieses Verhalten nun auf menschliche Beziehungen übertragen will ich vorher sagen: Menschen sind nicht Gott, das heißt: Ich kann nicht bedingungslos darauf vertrauen, dass das was Menschen tun und das ihre Motivation immer gut ist. Es geht mir hier nicht darum Menschen, die in missbräuchlichen Beziehungen leben dazu aufzufordern in diesen zu verharren…in so einem Fall ist es dran zu gehen und Schutz zu suchen. Aber ich denke ansonsten gibt es insbesondere in unseren engsten Beziehungen durchaus mehr Raum für Entschiedenheit. Wenn ich mich für meinen Mann entschieden habe erstmal grundsätzlich die Haltung zu haben: Ich glaube, dass ich ihm vertrauen kann und wenn nicht, dann ist er immer noch mein Mann. Das Gleiche gilt für Kinder, Eltern und Geschwister oder auch enge Freunde. Ein bisschen mehr Entschiedenheit würde uns vielleicht mehr kämpfen lassen für das was wir haben und ich denke das würde sowohl unserem Charakter gut tun wie auch der Grundlage unserer Beziehungen.

(c) Lenna Heide

Ich denke wir stehen im Leben oft vor der Entscheidung: Geh ich jetzt in den Feuerofen oder geh ich lieber weg? Ich möchte, immer mehr jemand werden, der bereit ist in den Feuerofen zu gehen, auch wenn ich nicht weiß was dann passiert – aber in der Hoffnung, dass mir dort ein Engel begegnet und alle umstehenden ohne Zweifel verstehen müssen: Hier hat Gott eingegriffen. Ein bisschen mehr Entschiedenheit würde so einige Wunder in unserem Leben freisetzen…das ist auf jeden Fall meine Meinung und was denkst du?

Das ist auf jeden Fall meine Meinung: Vertrauen…

oder eher gesagt wieder neu vertrauen fassen. Geht das überhaupt, wenn jemand mein Vertrauen enttäuscht hat? Muss ich sofort wieder Vertrauen haben, wenn ich jemandem vergeben habe? Und vor allen Dingen wie macht man das?
Jeder von uns weiß es: Vertrauen ist die Grundlage einer jeden guten Beziehung – jeder möchte gern, dass ihm entgegen gebracht wird und ich denke jeder Mensch möchte grundsätzlich auch Vertrauen haben, aber manchmal fällt es uns schwer, insbesondere wenn wir mal vertraut haben und es hat sich herausgestellt, dass es nicht richtig war.
Mir ist aufgefallen, dass das was nach so einer Situation am meisten erschüttert wird, das Vertrauen in seine eigene Wahrnehmung ist: Wieso hab ich nichts gemerkt? Wieso hab ich die Situation und den Menschen (manchmal auch Gott) so falsch eingeschätzt? Das man vertraut hat, zeigt aber auch, dass wir eigentlich gerne vertrauen wollen – aber manchmal ist man halt hinterher schlauer.

(c) Kurt Michel / pixelio.de

Danach geht es, meiner Meinung nach, in erster Linie gar nicht darum der Person wieder vertrauen zu können sondern seinem eigenen Urteil bzw. seiner eigenen Wahrnehmung wieder vertrauen zu lernen. Deswegen wirkt sich ein Vertrauensbruch auch nicht nur auf diese eine Beziehung aus sondern auf mein ganzes Leben und alle Beziehungen: Wenn ich in diesem Fall falsch gelegen habe – wo lieg ich dann vielleicht auch noch falsch?
Ich hab in den letzten Tagen folgendes innere Bild gehabt: Vielleicht ist es mit dem verlorenen Vertrauen so als wenn man auf einen zugefrorenen Teich geht und dann feststellt: Das Eis trägt mich nicht und hineinstürzt. Und obwohl man gerettet wird muss man sich erstmal von dem Schreck und den Folgen der Kälte erholen…und danach wird man wahrscheinlich eine ganze Weile – vielleicht für immer – nicht mehr so bedenkenlos auf eine Eisfläche hinausgehen.
Vielleicht beobachtet man dann lieber bevor man selber geht erst einmal ob die Eisfläche andere Menschen trägt…und wenn man sich dann entscheidet es selber zu wagen, dann fragt man sich, ob man selber nicht doch zu schwer ist…deswegen wagt man sich vielleicht erstmal nur auf allen vieren vorwärts und bleibt sicherheitshalber am Rand…aber wenn man Glück hat und nicht aufgibt steht man irgendwann wieder völlig frei in der Mitte des Teiches. Hilfreich ist beim zweiten Mal sicherlich auch, dass man das Geräusch mit dem sich das Brechen des Eises ankündigt schon kennt.

(c) angieconscious / pixelio.de

Was mir dieses Bild sagt ist: Wieder vertrauen können braucht oft Zeit und das ist auch völlig in Ordnung so und auch gesund. Jemand, der unser Vertrauen missbraucht hat sollte sich  Stück für Stück wieder als vertrauenswürdig erweisen. Sein Vertrauen nicht sofort wieder zu verschenken hat nichts mit Lieblosigkeit oder Unvergebenheit zu tun sondern mit gesunder Selbstfürsorge und mit einem wichtigen Lernprozess.  Ich denke wichtig ist dabei, dass man nicht aufgibt und dran bleibt, und dass man auch wieder lernt sich selbst und seiner Wahrnehmung zu vertrauen. Denn wenn das Vertrauen fehlt sind alle Beziehungen kälter als sie sein müssten – echte Freiheit und tiefe Freude und Erfüllung finde ich nur da wo ich mitten auf dem Eis stehe und spüre es trägt mich… und solche Beziehungen gibt es – vor allen Dingen gilt das für meine Beziehung zu Gott.
Dort wo ich im Vertrauen zu Gott sicher bin, da werde ich erleben, dass sich viele Fragen von selbst erledigen. Warum passiert das mir? Hab ich was falsch gemacht? Willst du mich für etwas bestrafen?, usw. Gott zu vertrauen heißt: Egal was passiert zu wissen: Er ist da und  geht mit mir da durch und er kann aus jeder Situation etwas machen, dass mir dient.
Als mein Papa damals so plötzlich gestorben ist, haben mich einige Menschen gefragt: „Wie geht es dir mit Gott? Bist du wütend auf ihn? Oder enttäuscht? Kannst du überhaupt noch mit ihm reden?“ Und diese Fragen haben mich erstaunt, denn mein Gedanke dabei ist: „Warum sollte ich mich von dem einzigen, der mir wirklich helfen kann abwenden? Das wäre doch Dummheit.“ Das ist auf jeden Fall meine Meinung und was denkst du?

Das ist auf jeden Fall meine Meinung: Gottes Plan

Heute will ich mal ein paar Worte zu dem Konzept sagen: „Gott hat einen Plan für mein Leben.“
Für einige Menschen ist diese Aussage vielleicht ermutigend oder sagen wir mal zu bestimmten Zeiten fühlt sich diese Aussage vielleicht ermutigend an, aber zu anderen Zeiten eher nicht. Da kommen dann solche Fragen wie: „Was ist denn dann wenn ich mich nicht an den Plan halte? Zwingt Gott mir seinen Plan auf? Gibt es noch ein zurück, wenn ich erst einmal abgewichen bin?, usw.“
Besonders akut sind solche Fragen oft bei der Partnerwahl oder nach einer gescheiterten Beziehung, aber auch an anderen Lebensentscheidenden Punkten.
Manchmal hab ich schon die Erklärung gehört: Gott hat nicht nur einen Plan, sondern mehrere Pläne…das ist erstmal erleichternd, dann stellt sich aber die Frage: Welcher Plan ist denn dann der beste? Leb ich dann vielleicht nach Plan B oder C oder gar D und hätte es eigentlich besser haben können mit Plan A?

(c) RainerSturm / pixelio.de

Irgendwie hat mich das Ganze immer etwas unzufrieden zurückgelassen und ehrlich gesagt bin ich in Seelsorgegesprächen nicht selten mit diesen Fragen konfrontiert. Vor ein paar Wochen hab ich dann einen Vortrag von Andre Rabe gehört und der hatte einen Vergleich, der für mich viel stimmiger scheint – insbesondere, wenn wir im Blick behalten, dass Gott ein Beziehungswesen ist und sich danach sehnt mit uns zusammen zu sein, zu entscheiden, zu erschaffen, usw.
Was wäre denn, wenn es eher so ist, dass Gott mit uns zusammen unsere Geschichte schreiben möchte anstatt einfach nur seinen Plan auszuführen? Ein Plan hat etwas Starres, Einseitiges und ist selten kreativ – so ist Gott meiner Meinung nach aber nicht. Wenn Gott unsere Geschichte mit uns zusammen schreiben möchte, dann geschieht das immer im Dialog mit uns, in Zusammenarbeit und in Abstimmung mit uns und dadurch ist viel mehr Spielraum viel mehr Kreativität aber auch Einfluss von uns möglich. Wenn man von einem Plan abweicht, dann ist dieser im Grunde gescheitert…bei einer Geschichte ist es normal, dass es auch mal traurige, herausfordernde oder schwere Kapitel gibt, tatsächlich macht das die Geschichte doch erst besonders und spannend.

(c) Timo Klostermeier / pixelio.de

Eine Geschichte lebt von Überraschungen und von unerwarteten Wendungen…ein Plan eher nicht. Und die besten Geschichten haben ein Happy End -finde ich zumindest. Und Gott schreibt nur gute Geschichten…selbst wenn er „nur Co-Autor“ ist. Wobei ein Happy End für mich lediglich bedeutet, dass die Hauptperson etwas für sich erkannt hat, gewachsen ist oder Klarheit in einer Sache bekommen hat. Gott will mit mir Geschichte schreiben. Ich muss sagen, das beflügelt mich . Zu dem Thema ist mir dann auch wieder eins meiner Lieblingszitat von Soren Kirkegard eingefallen:

O du unendliche Liebe! Wenn ich schlafe, wachst du, und wenn ich wache, machst du dass das Schlechte zu dem noch Besseren wird, als das Richtige gewesen wäre. Und ich kann mich nur über dich verwundern, du unendliche Liebe!

Ich finde hier wird sehr gut auf den Punkt gebracht, dass Gott immer eine Möglichkeit findet unsere Geschichte noch besser umzuschreiben und uns eher mit seiner Gnade und Liebe überrascht als das wir am Ende vor einen gescheiterten Plan Gottes stehen und es keine Hoffnung mehr gibt.

Sicherlich hat Gott einen großen Plan und ein Ziel für uns, aber ich glaube dieser Plan hat viel mehr Spielraum als wir uns vorstellen können…denn in ihm sind alle nur möglichen Möglichkeiten und er hat jederzeit Zugriff darauf. Also ich bin auf jeden Fall gespannt wie meine Geschichte weitergeht und ich hab da auch ein paar interessante Ideen J. Das ist auf jeden Fall meine Meinung und was denkst du?

Das ist auf jeden Fall meine Meinung: Fehler

Manchmal unterlaufen uns Fehler. Manchmal kleine manchmal große. Manchmal merkt es keiner manchmal merken es alle. Darin unterscheiden wir uns alle nicht. Der Unterschied besteht darin, wie wir damit umgehen. Ich mag den englischen Ausdruck : „Own it“. Ins Deutsche übertragen heißt das ja so viel wie: „Zu etwas stehen“.  Aber ich finde im englischen drückt es noch etwas mehr aus, weil wörtlich übersetzt heißt es ja: „etwas besitzen“. Es geht darum sich mit seinem Handeln eins zu machen – was nicht bedeutet, dass man es gut heißt sondern eher, dass man (auch sich selbst) eingesteht: „Ja, das war ich.“
Meines Erachtens ist das der beste und einfachste Weg mit Fehlern umzugehen und auch der von dem beide Parteien am meisten profitieren.
Nicht: Abstreiten, rechtfertigen, die Schuld auf andere schieben, beschönigen, sondern: Einfach zugeben wie es war und das man es war. Bei allen anderen Varianten bleibt, auch wenn am Ende jeder weiß wie es war, ein bitterer Nachgeschmack für alle beteiligten.
Dazu gehört für mich auch eine angemessene Wiedergutmachung, wenn möglich. In einigen Fällen wird es eine Entschuldigung sein, die dem anderen Raum gibt seinen Gefühlen Luft zu machen (wenn er es braucht) und dies aushält. In anderen Fällen wird mehr nötig sein, wie z.B. eine öffentliche Entschuldigung oder auch ein finanzielles Wiedergutmachen. Aber wie gesagt, es sollte angemessen sein – auch zu viel ist unangenehm und störend. Wie z.B., wenn jemand sich ein halbes Jahr lang bei jedem Treffen für einen Vorfall entschuldigt, den alle anderen bereits vergessen haben (bzw. vergessen hätten, wenn man sich nicht ständig wieder entschuldigen würde).

(c) Rudis-Fotoseite.de / pixelio.de

Im Umgang mit sich selber bedeutet, dass für mich aber auch, dass ich bereit bin das Verzeihen der anderen und natürlich auch die Vergebung von Gott anzunehmen und mich nicht Gedanklich die ganze Zeit um diesen Fehler drehe. Also kurz zusammen gefasst: Ich gebe zu, dass ich es war, ich leiste Wiedergutmachung soweit das möglich ist und ich nehme auch Vergebung für mich selber an. Wenn man diese drei „einfachen“ Schritte im Umgang mit Fehlern beachtet erspart man sich sehr viel Drama in seinem Leben. Das Drama des Verbergen Wollens, das Drama des sich vor anderen Schämens, das Drama des Rückzugs, das Drama des Vertrauensverlustes, das Drama von Gedankengebäuden, das Drama von …
ich denke, Fehler sind dafür da aus Ihnen zu lernen und auch dafür Beziehungen zu stärken…nämlich darin, dass man sich verletzlich macht und zugibt, dass man die Hilfe des anderen braucht, aber auch um darin zu wachsen Gnade für die Fehler anderer zu haben. Im Alltag scheint es oft so als wenn Fehler Beziehungen zerstören – aber ich denke, dass richtiger Umgang mit Fehlern Beziehungen stärken kann. Das ist auf jeden Fall meine Meinung und was denkst du?

P.S.: Zum Abschluss noch eine witzige Geschichte zum kreativen Umgang mit Fehlern, wenn sie nur mich selbst betreffen. Für den letzten Malworkshop wollte ich eine Beispiel für eine prophetische Karte vorbereiten und dabei ist mir ein Fehler passiert.

(c) Lenna Heide

Wie man sehen kann hab ich beim Schreiben das „A“ vergessen. Wie wahrscheinlich bei jedem anderen war mein erster Impuls die Karte einfach wegzuschmeißen und eine neue zu machen…dann hab ich aber gedacht: Ach was solls, ich schreib einfach ein kleines „A“ an die Stelle wo es fehlt. Nachdem ich das Gemacht hatte hab ich die Karte angeschaut und gedacht: Ich versuch mal ganz viele kleine A’s – warum soll man Fehler verstecken? Ich kann den Fehler doch einfach zu etwas besonderem machen. Als ich fertig war hab ich gedacht: Hey, irgendwie passt das zu dem Wort, dass ich schreiben wollte (Zusage), die ganzen A’s erinnern mich an das Sprichwort: Wer A sagt muss auch B sagen…und deswegen bin ich mir sicher, der Fehler war gar kein Fehler sondern einfach eine kreative Verstärkung der Aussage, die ich vorher noch gar nicht sehen konnte J Kurz gesagt: Das muss so.

Schöpfung, Malen und Kaninchen

Ja, wie passen die drei wohl zusammen? Ich hab mich die letzen Wochen ein wenig mit dem Thema Schöpfung beschäftigt, so wie es in der Bibel beschrieben wird und mir ist dabei ein Aspekt wichtig geworden (dazu kann ich die Vorträge von Andre Rabe auf Youtube empfehlen): Gott hat nicht am Anfang geschaffen, sondern die Schöpfung ist immer noch. Mittlerweile ist ja auch wissenschaftlich erwiesen, dass die Essenz aller Materie Schallwellen sind oder eine Frequenz oder wie auch immer man das nennen mag. Gott hat nicht nur am Anfang gesprochen, er spricht noch immer und sein Wort ist der Ursprung und die Essenz allen seins.

Aber was ich noch faszinierender finde ist, dass Gott mit seiner Schöpfung zusammen erschaffen will. In der Schöpfunggeschichte wird es schon deutlich – Gott erschafft nicht irgendwas irgendwo und setzt es dann auf die Erde sondern er sagt immer wieder: „Ich habe in dich hineingelegt…und du sollst hervorbringen.“ Und ich denke genauso funktioniert der kreative Prozess bis heute…Gott hat in uns etwas hineingelegt, aber wir müssen mit ihm zusammenarbeiten, damit es sichtbar wird, damit das Bild aus meiner Fantasie irgendwann man ein Gemälde wird, damit die Melodie in meinem Kopf ein Kalvierkonzert wird, damit die Idee in meinem Kopf eine neue Maschine wird, usw. Aber das geht auch noch weit über Kunst und Erfindungen hinaus – es greift z.B. auch in folgendem Fall: Ich habe Frieden in meinem Herzen, aber ich muss dann auch danach reden und handeln, damit der Friede um mich herum sichtbar und greifbar wird. Auch das ist eine Art von Schöpfung…kommen wir also zum Kaninchen, das mir geholfen hat das noch besser zu verstehen:

(c) Lenna Heide

Also eigentlich wollte ich zwei Otter malen…ich weiß nicht so recht warum, aber der eine Otter hat mich angeschaut und ich hab immer wieder ein Kaninchen gesehen und keinen Otter. Also hab ich mir Mühe gegeben, das Kaninchen zu übermalen, damit der Otter sichtbar wird…aber es ist mir nicht wirklich gelungen…irgendwann hab ich einfach kapituliert und gedacht: Nun ja, wenn du ein Kaninchen sein willst – bitteschön – und hab ihm einfach ein paar Ohren dran gemalt…und der Kampf war beendet. Irgendwie wollte dieses Kaninchen mit aller Macht auf diese Blatt Papier. Ich denke, jeder der schöpfersich tätig ist kennt dieses Gefühl, wenn auf einmal die Schöpfung wie die Kontrolle übernimmt und etwas ganz anderes herauskommt als man eigentlich geplant hatte, aber ehrlich gesagt sind diese Prozesse die aufregendsten und auch oft die mit dem besten Ergebnis…und vielleicht, ja vielleicht geht es Gott ja auch so mit uns :).

Das ist auf jeden Fall meine Meinung: Gefühle

Heute soll es nicht grundsätzlich um Gefühle gehen, sondern um einen Spruch, den ich letztens auf Facebook gesehen habe. Ich übersetzt mal frei aus dem englischen:

„Wut wird deine Probleme nicht leichter machen.
Tränen werden dir nicht zurückbringen was verloren ist.
Aber ein Lächeln und Dankbarkeit werden dich stärker machen.“

Gepostet wurde das mit dem Zusatz: „Bleib stark.“
Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Diese Aussage hat mich auf so vielen Ebenen verwirrt, empört und traurig gemacht – obwohl der Schreiber wohl auf ein Lächeln gehofft hatte.
Um es mal Schritt für Schritt durchzugehen: „Wut wird meine Probleme nicht leichter machen“…richtig, aber wenn ich trotz Wut lächele wird’s nur noch schlimmer.

(c) Peter Hebgen / pixelio.de

Ehrlich gesagt hab ich in den letzten Jahren festgestellt, dass Wut – wenn sie richtig eingesetzt wird – ein sehr hilfreiches Mittel ist, um Grenzüberschreitungen zu erkennen und auch die Energie zu haben dagegen vorzugehen. Ich hab Wut zulassen erst wieder lernen müssen, weil es mir wie auch vielen anderen Menschen aberzogen worden ist…mit genau solchen Aussagen wie oben zitiert. Wir bringen Kindern leider nicht bei Wut zu verstehen und konstruktiv zu nutzen sondern sie zu unterdrücken – weil es doch so anstrengend und unangenehm ist…und am Ende wundert man sich, dass Kinder mit Fremden mitgehen oder sich nicht wehren, wenn ihre Grenzen überschritten werden – aber wir haben ihnen doch gesagt, sie sollen lieber lächeln. Ich rede nicht davon Wutausbrüche zu haben und andere mit meinem cholerischen Verhalten zu kontrollieren, sondern davon, dass Wut, wenn sie gesund eingesetzt wird dafür da ist mich und andere zu schützen. Ich hab in den letzten Jahren viele erwachsene Menschen begleitet, die sich in ihrem Heilungsprozess dieses Gefühl mühsam wieder zurückerobern mussten.

Kommen wir zum zweiten Satz:“ Tränen werden dir nicht zurückbringen was verloren ist.“
Dieser Satz macht mich immer noch sprachlos – meines Erachtens suggeriert er doch, dass Trauer unnütz ist. Und es gefällt mir auch nicht, dass Tränen nur mit Trauer verbunden werden. Auch weinen musste ich in den letzten Jahren lernen, bzw. es zulassen können auch vor anderen Menschen. Weinen reinigt das Herz meiner Meinung nach und hält es weich. Vor allen Dingen sind Tränen nicht unbedingt ein Zeichen von Trauer sondern von tief empfunden Emotionen – das kann auch mal Wut, Rührung oder Lachen sein. Tränen sind wirklich wertvoll für mich geworden und das Weinen erlaubt ist und gut ist, ist eigentlich meistens eine der ersten Lektionen, die Ratsuchende bei mir lernen dürfen, denn so ziemlich jeder Mensch entschuldigt sich wenn ihm die Tränen kommen – sogar wenn sie die schlimmsten und traurigsten Dinge erzählen.

(c) Linda Dahrmann / pixelio.de

Es macht mich wirklich traurig und nachdenklich, dass wir denken, dass wir uns schämen sollten, wenn wir Schmerz und Trauer empfinden  und das auch noch zeigen– meines Erachtens sollte es eher anders herum sein. Tränen bringen mir vielleicht nicht den Gegenstand, die Jahre oder die Person zurück, die ich verloren habe, aber sie bringen mir eine Herzensoffenheit zurück wo vielleicht schon viele Türen zu waren, sie bringen mir die Fähigkeit zu fühlen zurück wo ich vielleicht schon viele Jahre versteinert und erkaltet war und sicherlich noch vieles, vieles mehr. Und auch hier will ich nochmal sagen: Ich rede nicht von Tränen die aus Selbstmitleid geweint werden oder die geweint werden, um andere zu manipulieren sondern über Tränen die echte, tiefe Gefühle begleiten.

(c) S. Hofschaeger / pixelio.de

Kommen wir zum letzten Teil: „Aber ein Lächeln und Dankbarkeit werden dich stärker machen.“
Ich hoffe, ihr könnt mich innerlich stöhnen hören. Jedes Gefühl wird mich stärker machen, nämlich in meiner Emotionalen Fähigkeit. Aber was mich am meisten an dieser Aussage stört ist das implizieren, dass Gefühle wie Wut und Traurigkeit gleichzusetzen sind mit Schwäche…und zum anderen, dass es aus Stärke ankommt. Wie schon gesagt Ich halte es für eine Stärke alle Gefühle wahrnehmen und gesund ausleben zu können, aber ich halte es auch für eine Stärke einfach mal Schwach sein zu können – auch wenn das im ersten Moment paradox klingt. Natürlich halte ich Dankbarkeit für etwas Gutes und ein ehrliches Lächeln mag ich natürlich auch, aber jedes Gefühl zur rechten Zeit und ohne Angst, das ist die Stärke, nach der ich mich ausstrecke und die ich auch in meinem Umfeld fördern möchte. Das ist auf jeden Fall meine Meinung und was denkst du?

Das ist auf jeden Fall meine Meinung: Tiefsinnigkeit

Ich dachte mir heute: Warum teil ich in Zukunft nicht mal jeden Freitag meine Meinung mit der Welt…vielleicht interessiert‘s ja Jemanden.

Heute würd ich gern mal meine Meinung zu folgender weit verbreiteter Annahme machen:

„Jemand der viel denkt, liest oder grübelt ist tiefsinnig oder tiefgründig.“
(ich verwende im laufenden Text einfach nur das Wort „tiefsinnig“, aber es kann meiner Meinung nach genauso durch tiefgründig ersetzt werden)

Ich halte das für eine irreführende Pauschalisierung und auch für die falschen Merkmale um Tiefsinnigkeit zu entdecken. Tatsächlich ist es ja so, dass bei manchen Menschen mit längerem Nachdenken eher das Gegenteil passiert. Es kommt doch drauf an wovon das Nachdenken motiviert ist. Meiner Erfahrung nach sind es oft Sorgen oder eine gewisse Form von Menschenfurcht, die dann eher dazu führt dass Menschen gehemmt sind und sich so sehr mit ihrer Wirkung auf andere Menschen beschäftigen, dass sie gar nicht dazu kommen tiefsinnig zu werden.

Ich denke, das Tiefsinnigkeit weniger mit der Menge der Gedanken zu tun hat – es ist eher eine Betrachtungsweise oder Herangehensweise an das Leben. Es hat damit zu tun anders denken zu können: Denkmuster zu erkennen und ablegen oder durchbrechen zu können und mit der Fähigkeit hinter das Sichtbare zu blicken – Dinge auch analytisch zu hinterfragen und die Wurzel des Ganzen zu entdecken. Aber der wichtigste Aspekt von Tiefsinnigkeit ist meines Erachtens ehrliche Eigenreflektion. Und auch hier meine ich nicht ein ständiges grübeln und kreisen um mich selbst, sondern die Freiheit sich selbst mal im Licht der Wahrheit zu betrachten. Und natürlich gehört für mich in diesem Fall auch die Bereitschaft sich vor Gott zu offenbaren dazu. Nicht nur vor ihm ehrlich zu werden sondern auch den ehrlichen Wunsch zu haben sich von ihm zeigen zu lassen wie es um mich steht – ganz ohne Angst…und wenn das noch nicht geht dann halt trotz Angst.

(c) Gabriela Neumeier / pixelio.de

Jemand der tiefsinnig ist wird in der Regel alle Dinge regelmäßig hinterfragen, nicht aus dem Wunsch zu kritisieren sondern, um zu sehen, ob etwas zum guten verändert werden kann – und deswegen wird es für so einen Menschen auch in Ordnung sein selbst hinterfragt zu werden.
Zum Gesamtpaket gehört für mich auch Geduld. – sich Zeit zu nehmen Dinge länger als gewöhnlich zu betrachten und Lebensrätseln nachzugehen – sie nicht wegzuschieben, resegniert aufzugeben oder die schnelle Lösung zu wählen, sondern auch mal eine ganze Zeit auf eine Lösung warten zu können.

Ich stelle fest, dass tiefsinnige Menschen meistens gar nicht merken, dass sie es sind, denn sie tun und denken die Dinge nicht um gesehen oder gehört zu werden sondern weil sie verstehen wollen. Viele von ihnen sind fröhlicher und besser gelaunt als man denkt, denn weil das Wort „tief“ in tiefsinnig steckt verbinden viele damit eine Art Schwere oder Melancholie. Vielleicht auch eher eine Art Eigenbrötler. Auch das Sprichwort: Stille Wasser sind tief – wird einfach umgedreht und dann meint man: Wer nicht immer still ist, kann nicht tief sein. Ich denke bei tiefsinningen Menschen eher an Worte wie: (innerlich) reich und vielseitig. Auf jeden Fall sind sie sehr interessante Gesprächspartner und  bei Freunden sind sie ehrlich gesagt immer meine erste Wahl – aus vielen Gründen, aber der wichtigste ist wahrscheinlich: Das man mit ihnen sehr leicht eine ehrliche und bereichernde Beziehung führen kann.

Das ist auf jeden Fall meine Meinung und was denkst du?