Was ist eigentlich die richtige Körperhaltung beim Gebet?

Eigentlich ist das eine Frage, die ich mir schon lange nicht mehr gestellt habe…aber in den letzten Tagen hab ich mir die neue Netflix Serie „Anne with an „e““ angeschaut. Eine Neuverfilmung von Anne von Green Gables. Ich hab diese Geschichte als Kind sehr gemocht und war ein wenig misstrauisch, aber ich muss sagen die Neuverfilmung ist einfach wunderschön gelungen. Die Bilder sind toll und die Schauspieler hervorragend ausgesucht und die Charaktere sind mit so viel Herz gespielt, dass ich total berührt war und einige Aspekte der Geschichte sind nochmal verändert – meiner Meinung nach vertieft und ehrlicher gemacht worden. Also ich bin auf jeden Fall überzeugt.
Zurück zum Thema…in der ersten Folge soll Marilla Anne zeigen wie man betet und sie sagt als erstes:“ Knie dich hin.“
Worauf Anne das auch tut, aber folgendes sagt (ich übersetzt mal frei aus dem englischen): „Warum muss man sich zum Beten hinknien? Weißt du was ich tun würde, wenn ich wirklich beten wollte? Ich würde in ein riesiges Feld gehen, ganz alleine…oder in einen tiefen, tiefen Wald und ich würde hochschauen in den Himmel, hoch, hoch, hoch in den herrlichen, grenzenlosen Himmel und ich würde das Gebet einfach fühlen.“

(c) Lenna Heide

Ich muss zugeben, ich musste die Serie an dieser Stelle anhalten und erstmal mit den Tränen kämpfen und tief Luft holen.  Diese Aussage hat mich tief berührt und ich hab später weiter gedacht…ja, warum muss man sich zum Beten eigentlich hinknien? Muss man das überhaupt?
Es gibt ja auch eine Bibelstelle in der steht, dass die Männer beim Beten heilige Hände hochheben sollen…viel mehr steht zu Körperhaltungen in der Bibel meines Erachtens auch nicht wirklich.* Warum muss man denn dann mancherorts aufstehen oder die Hände falten oder was auch immer?
Und was davon ist überhaupt richtig?
Ich denke: Die richtige Körperhaltung beim Beten ist die, die ausdrückt wie es in meinem Herzen grad aussieht. Hab ich grad so eine Sehnsucht nach Gott, dass ich mich austrecken möchte um nach ihm zu greifen, dann streck ich vielleicht eine Hand nach oben oder recke meinen Kopf in die Höhe…wenn ich grad von Ehrfurcht ergriffen bin, dann knie ich mich wahrscheinlich nieder oder leg mich sogar flach auf den Boden…wenn ich Schwierigkeiten habe mich zu sammeln könnte ich die Hände falten und die Augen schließen, wenn ich unruhig bin gehe ich vielleicht in der Gegend herum, usw. Wenn wir unserer Körperhaltung erlauben sich unserem ganzen Sein anzupassen erlebe ich oft ein eins werden von Körper, Seele und Geist, was den Gebetsfluss erleichtert und auch tiefer ins Gebet führt.

(c) Lenna Heide

Allerdings kann es auch andersherum funktionieren…wenn ich z.B. Ehrfurcht lernen möchte, kann es helfen sich immer mal wieder hinzuknien…weil die richtige Körperhaltung auch Seele und Geist hilft an diesen Ort zu folgen. Die richtige Körperhaltung ist also die, die mich dabei unterstützt näher zu Gott zu kommen und tiefer ins Gebet…und welche das gerade ist, dass muss jeder für sich selbst immer wieder neu entscheiden…und vielleicht auch zwischendurch innehalten und mal überprüfen, ob das was man einfach so Routinemäßig tut überhaupt hilfreich ist und der Wahrheit entspricht…und vielleicht sollten wir alle tatsächlich mal in ein großes Feld gehen oder in einen tiefen Wald…

*Anmerkung: Ja, ja, wenn man Dinge einfach so schreibt ohne nochmal nachzudenken und zu überprüfen. Im Laufe der Tage sind mir schon auch noch andere Bibelstellen eingefallen zur Körperhaltung…einige beziehen sich aufs liegen andere aufs Knien und ich bin auch von anderen darauf hingewiesen worden (danke :)) – aber die Schlußfolgerung meiner Gedanken ändert sich damit nicht :).

Selbstbewusstsein und Gottesbewusstsein

Erst wollte ich ja zwischen die beiden Wörter vs. Setzen, aber das hätte ja den Anschein erweckt, dass nur das eine oder das andere geht…im Grunde genommen denke ich aber, dass die beiden sich bedingen.
Vor einer Woche beim Gebet haben wir uns nochmal die Geschichte von David und Goliath angeschaut und Nicki meinte: David wusste einfach genau wer hinter ihm steht…und da hatte ich sofort dieses Bild vor Augen (was ich dann auch gleich ganz schnell aufgezeichnet habeJ)

Und das hat mir alles nochmal in die richtige Perspektive gerückt…auch wenn das Bild natürlich nicht Maßstabgetreu ist, versteht man doch glaube ich sehr genau was ich meine. Das was mir manchmal wie eine unglaubliche „Vergrößerung“ meiner Herausforderungen erscheint ist aus Gottes Sicht kaum zu erkennen…und da er ja immer noch genauso hinter mir steht sollte dieses Bewusstsein meine Sicherheit ausmachen…

Und das erinnert mich wieder an eins meiner Lieblingszitate von Teresa von Avila:
Gott und ich – wir zwei – sind immer die Mehrheit

In diesem Sinne: Auf in den Kampf 😀

 

Umarmungen

In der letzten Zeit beschäftige ich mich viel mit dem Thema Gebet – was ist Gebet und was ist es nicht. Vielleicht schreib ich demnächst auch noch etwas mehr dazu, aber heute nur ganz kurz. Letzte Woche hab ich deses Bild gemalt und mich die ganze Zeit gefragt woran mich das Gefühl erinnert hat und nach einiger Zeit bin ich drauf gekommen: An einen Satz aus einer Geschicht von Werner May. Sie heißt: „Mit einem Engel im gleichen Boot“. Ich hab sie als Hörbuch und kann sie nur empfehlen. Ein Satz aus der Geschichte geht mir immer wieder nach und es ist genau dieser Satz an den ich erinnert wurde. Die Hauptperson hat an einer Stelle eine Erkenntnis über Gebet und fast diesen Entschluss für die Zukunft: „Meine Gebete sollen Umarmungen sein.“
Und mit diesem Satz entlasse ich euch in die Betrachtung des Bildes 🙂

Hat Lobpreis etwas mit meinen Gefühlen zu tun?

Diese Frage muss ich ganz klar mit: „Ja“ beantworten. Aber bevor ich dazu komme, das weiter zu erklären möchte ich noch ein paar Grundlegende Dinge sagen.
Zuerst einmal spreche ich gleich zwar über Lobpreis, aber eigentlich kann man das was ich erkläre zum größten Teil auch auf das Gebet anwenden – besonders den Teil mit den Gefühlen.
Der Unterschied zum Gebet ist vielleicht einfach, dass es meistens nicht wie beim Lobpreis üblich, angeleitet wird von anderen Leuten.
Ich weiß nicht wie es euch geht, aber der Lobpreisteil im Gottesdienst ist für mich und in unserer Gemeinde ein sehr wichtiger Teil und genauso wie man hinterher über die Predigt austauscht so tue ich das auch über den Lobpreis mit meinem Mann und mit anderen Leuten, die mir nah stehen und deren Meinung und geistliche Wahrnehmung mir wichtig sind.
Beim Lobpreis ist für mich eigentlich die zentrale Frage: Wie spürbar war Gottes Gegenwart oder auch: Wie leicht war es bei Gott anzukommen während des Anbetens? ( in welcher Form auch immer).
An manchem Tagen ist es leicht an anderen scheint es fast unmöglich sich fallen zu lassen und sich nur auf Gott zu konzentrieren…und die Frage die dann wahrscheinlich bei jedem irgendwann hochkommt ist: Woran liegt es?

(c) Lenna Heide

Eine ungesunde Form damit umzugehen wäre: Sich um die Frage zu drehen: „Wessen Schuld ist es?“ Besser wäre es wahrscheinlich sich zu fragen: Was kann ich tun, um etwas zu verändern? Was kann ich tun, um es doch noch möglich zu machen in Gottes Gegenwart durchzubrechen und es damit auch anderen leichter zu machen mit mir zu kommen.

Ich stelle fest, dass einige sehr schnell bei Schuldgefühlen ankommen und dann denken, dass mit ihnen wahrscheinlich etwas nicht in Ordnung ist. Und sobald sie sich diesen Gefühlen hingeben wenden sie sich normalerweise von Gott ab, weil sie sich nicht mehr wohl fühlen in seiner Gegenwart…so klappt der Durchbruch offensichtlich nicht.
Andere suchen den Fehler bei der Lobpreisband oder beim Lobpreisleiter selber:
Die Lieder sind falsch ausgesucht, die Übergänge ungünstig gewählt, es wird schief gesungen, der Takt stimmt nicht…und all diese Dinge tragen natürlich dazu bei, dass es leichter wird – aber ich hab auch schon Lobpreiszeiten erlebt, die voll von Gottes Gegenwart waren und die Lobpreisband hat all diese „Fehler“ gleichzeitig gemacht…und auch wenn ich ein Verfechter davon bin, dass man auf diese Dinge achten soll und sich danach ausstrecken soll darin immer besser zu werden, so kann ich doch mit Sicherheit sagen, dass es nicht diese Dinge sein werden, die am Ende den Durchbruch bringen.
Ein anderer Punkt, der auch die Lobpreisband betrifft ist die geistliche Atmosphäre, die insbesondere auch vom Lobpreisleiter mitbestimmt wird. Als Lobpreisleiter bin ich in einer priesterlichen Aufgabe tätig, das heißt ich bin deine Brücke vom Herzen des Vaters zum Herzen der Menschen – wenn diese Brücke in eine von beiden Richtung gestört ist, dann ist das in der geistlichen Atmosphäre für alle wahrnehmbar. Nicht jeder wird es benennen können, aber jeder wird es spüren. Ich als Zuhörer kann das aber nie wirklich beurteilen – das Herz kann nur Gott sehen. Wenn ich allerdings den Eindruck habe, dass es so sein könnte fange ich an für den Lobpreisleiter zu beten…meistens in Sprachen, damit der Heilige Geist das beten kann was wirklich nötig ist. Und tatsächlich hab ich dann schon manchmal erlebt, dass eine Veränderung geschieht…so kann auf jeden Fall ein Durchbruch gelingen, aber normalerweise fange ich an einer anderen Stelle an:

Kommen wir also nun dazu warum Lobpreis etwas mit Gefühlen zu tun hat.

(c) Lenna Heide

Im Lobpreis, genauso wie bei jeder anderen Art zu beten, geht es darum vor Gott zu kommen – ihm nahe zu sein und mit ihm in Beziehung zu treten. In Beziehung treten kann ich mit Gott nur da wo ich ehrlich bin (das gilt natürlich auch für Beziehungen mit Menschen), denn nur da wo ich echt bin kann Gott mich berühren – dort wo ich es nicht bin berührt er meine Maske, meine Schutzmauer, mein Schutzschild oder wie auch immer man es nennen möchte. Das ist keine Beziehung,deswegen ist Gott daran nicht interessiert. Und selbst, wenn er uns so berühren würde – so wie Menschen es manchmal unwissentlich tun – würde ich keine Verbindung spüren . Das heißt im Klartext: Wenn ich überhaupt eine Möglichkeit haben will im Lobpreis mit Gott eine Verbindung einzugehen, dann muss ich zuallererst ehrlich werden…und das hat mit meinen Gefühlen zu tun. Wie geht es mir eigentlich wirklich? Wo stehe ich grad in meinem Leben mit den Menschen um mich herum, mit mir selbst und vor allen Dingen auch mit Gott?

Manchmal steh ich im Lobpreis und spüre: Ich kann nicht durchbrechen und sofort wird mir klar welche Sache ich grad mit mir rumschleppe und nicht anschauen will. In diesem Moment muss ich dann eine Entscheidung treffen: Bin ich jetzt bereit mit das mit Jesus ehrlich anzuschauen (mit dem dazugehörigen Gefühlsausbruch) oder nicht?

Auf den Punkt gebracht lautet die Frage: „Ist es mir wichtiger mich vor einem vermeintlichen Schmerz zu schützen oder Gott zu begegnen?“  Wenn ich die Frage jetzt so nüchtern stelle wird jeder natürlich sagen: ist ja logisch, natürlich will ich lieber Gott begegnen. Aber diese Entscheidung in dem entsprechenden Moment zu treffen ist immer wieder ein bisschen wie sterben…naja, im Grunde ist es das ja auch. Ich opfere in dem Moment meinen Selbstschutz und liefere mich Gottes Gnade aus. Sobald ich aber die Entscheidung für Gott treffe kommt (so erlebe ich es)  immer der Durchbruch.
Dummerweise weiß ich aber nicht immer sofort was die Sache eigentlich ist, der ich mich nicht stellen will. Manchmal sind es so unbewusste Prozesse, dass es eine Weile dauert bis ich mir selbst auf die Spur komme. Dann ist es oft an der Zeit mit Gott zu „ringen“ – ihn zu bitten mein Herz zu durchforsten und mir zu zeigen was ich noch nicht sehen kann. Und auch das führt, wenn auch nicht ganz so schnell, immer zu einem Durchbruch.
Also ja: Gefühle und Lobpreis sind eng miteinander verbunden – aber vielleicht anders als viele denken.

(c) Lenna Heide

Ich hab mir auf jeden Fall angewöhnt immer zuerst bei mir anzufangen, wenn ich das Gefühl habe ich kann nicht durchbrechen, weil an dieser Stelle hab ich den schnellsten Zugriff, um etwas zu verändern. Wenn ich merke, dass bei mir grad alles in Ordnung ist, dann schau ich weiter und frage Gott, wie ich die Lobpreisband unterstützen kann und natürlich versuche ich der Lobpreisband auch regelmäßig Feedback zu geben.
Ich hab mal gehört, dass sich beim gemeinsamen Singen der Herzschlag aller Teilnehmer synchronisiert. Ich glaube, wenn jeder einzelne auf sein Herz acht geben würde, dann würde dieser Herzschlag immer gesünder und lauter werden und wir würden erleben wie die Erde anfängt zu beben…ich freu mich drauf.

Die Ostergeschichte

Jedes Jahr zu Ostern such ich nach einem Weg bei Ostern anzukommen mit meinem ganzen Sein. Am bestern gelingt mir das immer durch das Malen oder einen anderen kreative Zugang (Schreiben, durch Übungen, Soaking, etc.). Dieses Jahr hab ich kurz vor Ostern angefangen Blumenkränze zu malen und mir dann gedacht: Warum nicht Ostern in Kranzform darstellen.
Ein bißchen aus dem Gedanken heraus, den ich in den letzten Tagen hatte: Ist es eigentlich wirklich wichtig Ostern zu feiern? Es ist doch so lange her – ich bin dem Gedanken nachgegangen. In dieser Zeit hab ich den Film: „Interstellar“ geschaut und was ich interessant fand war die Darstellung eines Raumes mit der Dimension Zeit. Dort konnte die Person zu jedem Augenblick zu jeden Zeitpunkt zu greifen…und so hab ich mir schon immer Ewigkeit vorgestellt bzw. Gottes Zeitlosigkeit – so dargestellt fand ich es aber noch greifbarer…und so ein Kreis/Kranz ist ja auch ein Symbol für Ewigkeit – Ostern steht für alle Zeit und ist zu jedem Zeitpunkt für uns zugänglich – und ja deswegen sollte Ostern auf jeden Fall immer wieder gefeiert werden.

(c) Lenna Heide

Einige Ideen kamen mir sofort, bei anderen musste ich nachdenken oder sogar meinen Mann um Hilfe fragen – aber genau dieses Beschäftigen und kämpfen damit hat mir sehr gut getan.
Entstanden sind gestern nurn vier Bilder – vier Kränze, die in ihrer Art etwas darstellen, was an den Tagen von Gründonnerstag bis Ostersonntag geschehen ist – aber ich hab mich für jeden Tag auch für ein Wort entschieden, das ich dazugeschrieben habe. Ein Wort, das für mich am besten ausdrückt was an diesem Tag passiert ist. Lesen kann man das Wort mit dem Zusatz: „für mich“…es macht aber auch auf Jesus bezogen Sinn..er hat all diese Dinge getan.

Angefangen hab ich mich Gründonnerstag:

(c) Lenna Heide

Dieser Tag steht für mich vor allemim Zeichen des seelischen Kampfes, den Jesus im Garten Gethsemane hatte – dort wo die Olivenbäume stehen. Deswegen war das Symbol für den Kranz recht einfach: Olivenzeweig. Als Wort hab ich: „entschieden“ gewählt, weil das für mich die größte Handlung war an diesem Tag. Er hat sich dafür entschieden seinen Willen, dem Willem seines Vaters unterzuordnen und damit hat er sich ein für alle Mal auch für mich entschieden.

(c) Lenna Heide

Karfreitag:

Das Symbol für Karfreitag auszuwählen war einfach: Natürlich die Dornenkrone – das Malen allerdings nicht. Ich weiß nicht warum, aber ich hab noch nie eine Dornenkrone gemalt, die mir gefallen hat – wenn man das überhaupt jemals so sagen kann. Vielleicht auch einfach, weil es mir fast körperlich weh tut sie zu malen – besonders die Dornen im inneren der Krone. Ausgewählt hab ich als Wort: „getragen“…weil das für mich einfach so viel ausdrückt. Er hat zum einen die Dornenkrone getragen, aber auch: das Kreuz, meine Schuld, meine Armut, meine Scham, meine Sünde, meine Krankheit und noch so viel mehr. Was er aber auch getragen hat bzw. ertragen waren die ganzen Gefühle und Schmerzen, die dazugehören. Und weil er das alles getragen hat bin ich jetzt für immer von ihm getragen.

(c) Lenna Heide

Karsamstag:

Tatsächlich hab ich überlegt, ob ich diesen Tag nicht überspringen soll, aber es hat mich nicht in Ruhe gelassen, weil ich gespürt habt: Dieser Tag ist auch wichtig, sonst hätte Gott ihn nicht eingefügt. In der Sichtbaren Welt ist folgendes passiert: Jesu Körper hat im Grab gelegen – es war Ruhe eingekehrt. In der Unsichtbaren Welt ist aber auch etwas großartiges passiert: Jesus ist in die Unterwelt gegangen und hat dort die frohe Botschaft verkündet, hat die gefangenen Befreit und den Schlüßel gleich mitgenommen. „Der Kranz“ soll den Grabstein darstellen aus dem Licht strahlt. Die Idee ist von meinem Mann. Ich hab die Idee mit dem Grabstein zwar schon gehabt – aber keine Ahnung gehabt wie ich das in „Kranzform“ malen soll. Ein wenig erinnert das Bild auch an eine Sonnenfinsternis was im Grunde ja auch passend ist. „Befreit“ schien für mich das einzig richtige Wort zu sein – er hat die Gefangenen befreit und auch mich, weil er danach ja auch sein Blut in das Allerheiligste des Himmels getragen hat und das Opfer ein für alle mal getragen, so dass ich jetzt für immer die Möglichkeit habe zum Vater zu kommen. Aber auch er wurde befreit: von seinem irdischen Körper und den damit verbundenen Beschränkungen und Schmerzen.

(c) Lenna Heide

Ostersonntag:

Der Ostersonntag war wieder einfacher. Es sollte viel grün dabei sein, wegen der Hoffnung und irgendwie hatte ich Blau auf dem Herzen – vielleicht weil es die Farbe des Himmels ist. Als Symbole hab ich den Schmetterling und das Ei gewählt – weil der Schmetterling für Auferstehung steht und das Ei für Leben. Die Kornblumen haben einfach eine persönliche Bedeutung für mich und Rosen und eine Frucht fand ich auch passend. Das Wort war natürlich ziemlich logisch, obwohl ich damit gekämpft habe, weil ich gern etwas genommen hätte, das nicht so „abgedroschen“ ist – aber an diesem Wort bin ich einfach nicht vorbeigekommen. Ich hab tatsächlich sogar nach Synomymen gesucht, aber keins gefunden, das mir gefiel…interessant fand ich dabei, dass es kein Antonym zu dem Wort gibt – also kein Gegenteil. Das ist irgendwie in mein Herz gefallen: Auferstehung kann man nicht Rückgängig machen – wer einmal Auferstanden oder Wiedergeboren ist, dem kann man das nicht wieder wegnehmen. Er ist auferstanden und er lebt für mich, damit ich das auch haben kann und mit ihm leben kann.

Hier fühl ich mich jetzt bei Ostern angekommen – ich hoffe, ich konnte dich ein bißchen mitnehmen.

 

 

 

Ich will ein Esel sein.

Seit einiger Zeit bewegt mich der Esel…erst hab ich gedacht, es liegt nur daran, dass bald wieder Palmsonntag ist und ich mich gern an den Friedefürsten erinnere, der auf einem Esel eingezogen ist…aber dann hab ich gedacht: Eigentlich sehen Esel auch ganz süß aus: Warum versuch ich nicht mal einen zu malen. Gesagt getan:

(c) Lenna Heide

Und während ich so gemalt habe sind mir viele, viele Dinge durch den Kopf gegangen. Ich hab mich erinnert an welchen Stellen in der Bibel ein Esel vorkommt, wie Esel so beschrieben werden und wofür sie stehen. Und plötzlich hab ich gedacht: Ich wäre wirklich gerne wie ein Esel. Erst einmal weil sie ein Symbol für Frieden sind. In der Antike war es so, dass ein König der auf einem Esel geritten kam, in Frieden kam, weil man mit einem Esel nicht in den Krieg ziehen kann – dafür ist er nicht geeignet. Er ist zu langsam und wahrscheinlich auch zu eigensinnig. Ein Esel macht auch nicht einfach alles mit, selbst wenn man ihn mit Gewalt dazu bewegen will. In der Bibel gibt es ja auch die Geschichte von Bileam der ärgerlich auf seinen Esel war, weil dieser nicht vorwärts gehen wollte – bis dieser plötzlich anfing zu sprechen und ihm erklärt hat, dass er nicht weitergehen kann, weil vor ihm ein Engel stünde.
Ich möchte wie so ein Esel sein: Jemand der Dinge sieht, die für viele unsichtbar sind, der große Ohren hat zum hören, aber nur redet, wenn Gott es erlaubt. Ich möchte, dass der Friedefürst auf mir Platz nehmen kann und mich führt wohin auch immer er hinwill und überall wo wir hinkommen soll man schon von weitem sehen, dass Frieden kommt . Und dabei will ich nie vergessen, dass meine einzige Aufgabe ist, ganz nah bei ihm zu sein und seine Gegenwart an jeden Ort zu bringen…und wenn die Leute mir zujubeln und feiern, weil ich komme – dann soll mein Blick nach oben gehen und mein Herz sich nur an dieser einen Sache freuen: Er ist mit mir.

Übers Wasser gehen

(c) Lenna Heide

So möchte ich auf dem Wasser gehen:

Wissend, dass deine Hand über mir ist, damit ich nicht vergesse, dass am Ende alles gut werden wird.

Weit entfernt von meinem Sicherheitsboot, damit ich gar nicht erst auf die Idee komme dorthin zurück zu gehen.

Mit weit geöffneten Armen,  damit ich mich nicht darauf verlasse worauf ich laufe sondern auf meine Fähigkeit zu fliegen.

Und zu guter Letzt mit geschlossenen Augen, damit ich nicht von dem was ich sehe verwirrt werde, sondern die Wahrheit dahinter entdecke, die dein  Wind mir ins Ohr flüstert.

Was mein Herz gerade bewegt

Bevor ich erzähle was mir gestern passiert ist möchte ich noch kurz etwas erwähnen, was auch zum Thema passt und was mich in den letzten Wochen zum Nachdenken gebracht hat. Nach meinen letzten beiden Predigten (im Juli und im November 2016) ist mir etwas aufgefallen was mich erstaunt hat. Und zwar war es so, dass hinterher unabhängig voneinander einige Kinder zu mir gekommen sind und mich gelobt haben und mir auch sehr speziell gesagt haben was ihnen an der Predigt gefallen hat. Das hat mich wie gesagt sehr überrascht aber auch unheimlich geehrt, weil ich überhaupt nicht so sehr erwarte, dass sie so genau zuhören.

Ich war tatsächlich auch etwas irritiert, weil ich mich gewundert habe warum sie das machen und ich war mir sicher es liegt nicht unbedingt daran, dass ich so viel toller als andere Menschen predige. Ich bin aber zu keinem Ergebnis gekommen…bis ich vor zwei Wochen beim Aufräumen plötzlich  die Zettel einer alten Predigt in den Händen hatte und mein Blick fiel auf einen Satz, den ich damals gesagt habe – und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Tatsächlich hatte ich damals die Kinder gebeten mit Feedback zu geben, weil es mir wichtig ist was sie denken und weil ich auch wissen wollte/will ob das was ich sage/zeige auch ihre Herzen erreicht…aber ich hatte es total vergessen, dass ich das damals gesagt habe umso mehr war ich jetzt begeistert darüber, dass die Kinder sich das zu Herzen genommen haben und es einfach gemacht haben. Ich muss sagen, sogar jetzt bin ich noch sehr gerührt darüber. Was ich aber auch anmerken muss: Alle diese Kinder, die zu mir gekommen sind, sind Kinder, die ich kenne. Mit jedem dieser Kinder hab ich mich schon mal hingesetzt und geredet, gefragt wie es ihm/ihr geht oder sie zu mir nach Hause eingeladen zum basteln oder spielen und hier komm ich zu dem worum es mir heute geht…aber ich muss dafür etwas weiter ausholen.

Gestern beim Gebet hatten wir eine Lobpreiszeit und in dieser Zeit haben wir das Lied: „Der Himmel zeugt“ gesungen. In diesem Lied heißt es über Gott (na eigentlich über Jesus, aber für Gott gilt das auch :)): In Ewigkeit bist du…Und dieser Satz ist irgendwie vor meinem inneren Auge sichtbar geworden. Ich hab Gott als Zentrum gesehen mit ganz vielen Zeitkreisen um ihn herum.

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Er als Ewigkeit und um ihn herum die Zeit, die er geschaffen hat. Und dann hab ich gedacht: „ Wo in diesen Zeitkreisen bin ich eigentlich aufgepoppt?“ und hab das ungefähr versucht zu lokalisieren und im zweiten Gedanken dann hab ich gedacht: „Ganz schön spät – da gabs es eine ziemlich lange Zeit in der ich nicht Teil der Geschichte war.“ Aber Gott hat mich dann an einige Bibelstellen erinnert in denen klar wird, das er von Anfang an geplant hatte, das es mich geben wird – das er mich sozusagen bevor ich in der Zeit sichtbar wurde schon längst in seinem Herzen getragen hat und da hat mich eine unglaubliche Freude überkommen, denn ich hab mir vorgestellt was für eine Freude es für ihn gewesen sein muss nach so langer Zeit endlich zu sehen was er vorher in sich getragen hat. So wie es einer Mutter nach 9 Monaten mit ihrem Baby geht…nur halt um ein vielfaches verstärkt.

Während ich so mit meinem Bild beschäftigt war ist der Lobpreis in einen Sprachengesang übergegangen und ich hab in der Reihe vor mir einen Papa mit seinem Kind bemerkt. Die Kleine ist noch kein Jahr alt, aber sobald wir anfingen in Sprachen zu singen hat sie miteingestimmt und mein erster Gedanke war: „Wie süß, das klingt ja fast als würde sie auch in Sprachen singen.“ Und fast im selben Augenblick hat Gott mir die Auslegung zu ihrem Sprachengesang gezeigt. Ich hab eine kleine Pflanze gesehen, die aus der Erde sprießt und an der zwei grüne Blätter hingen.pflaenzcgeb_newEtwas irritiert hab ich mich gefragt, ob ich grad spinne – also hab ich Gott einfach gebeten: Wenn das jetzt grad wirklich eine Auslegung war, dann wiederhol das bitte, damit ich sicher sein kann. Und kurze Zeit später fing die Kleine wieder an zu singen und wieder hatte ich sofort einen Eindruck dazu: Ich hab gesehen wie Jesus als Töpfer etwas herstellt, was aber nur ganz unten schon deutlich zu sehen war alles andere war in eine Staubhülle gehüllt – einfach als Bild dafür, dass noch nicht sichtbar ist was am Ende daraus werden wird.
Gleich danach hab ich vorne im Gottesdienstraum zwei  überdimensional große Flügel gesehen und erst angenommen, dass es ein Engel ist aber nach genauem hin schauen hab ich festgestellt, dass es ein riesiger Adler war. Er hat seine Flügel ausgebreitet –wobei ein Flügel die kompletten Sitzreihen auf der einen und der andere die kompletten Sitzreihen auf der anderen Seite überschattet hat.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich noch nicht genug gesehen hatte und so bin ich zurück in das Bild und wollte mir den Adler genauer ansehen, aber was ich gesehen habe war, dass er ein riesengroßes Ei in seinen Krallen hatte und als er losflog hat er das Ei in der Mitte des Ganges liegen lassen. Also hab ich mir das Ei so angeschaut und mich gefragt was wir jetzt damit tun sollen? Er wird es ja nicht ohne Grund liegen gelassen haben.

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Mein erster Gedanke war: Ausbrüten! Was soll man auch sonst mit einem Ei machen? 🙂 Und wie brütet man etwas aus? Mit ganz viel Nähe und Wärme…Blieb jetzt nur noch die Frage für mich: Was sollen wir eigentlich ausbrühten. Wofür steht dieses Ei symbolisch? Während ich so fragend vor Gott stand kam dann die ganz einfache und logische Antwort: „Eure Kinder. Kümmert euch um die Kinder in eurer Familie, in der Gemeinde und auch überall sonst. Versteht, wie sehr mir die Kinder am Herzen liegen. Gebt ihnen eure Zeit und eure Liebe nochmal ganz bewusst und ich verspreche euch, das was ihr da ausbrühten werdet wird eure Erwartungen bei weitem übertreffen.“ Und plötzlich hat der ganze Weg den die Eindrücke gemacht haben Sinn für mich gemacht: Gottes Erinnerung daran wie krass sich das was wir sagen und tun bei Kindern auswirkt, seine Offenbarung darüber was für eine Freude ausgeschüttet wird, wenn etwas was wir „ausbrühten“ sichtbar wird und auch die Bilder die ich vom Sprachengesang des Kindes gesehen habe – weil beide Bilder bei mir die Bibelstelle aus Jesaja haben aufklingen lassen in der Gott sagt: „Siehe ich mache etwas neues, seht ihr es denn nicht?“
Ich habe selten so eine Dringlichkeit in Gottes Reden gespürt und seinen ganz klaren Ruf unseren Fokus nochmal ganz neu auf unsere Kinder zu legen. Stellt sich jetzt nur noch die Frage: „Wie können wir das ganz praktisch machen?“
Ich hab heute den ganzen Tag darüber nachgedacht und ich glaube, wir werden für diese Aufgabe jeden einzelnen brauchen. Es geht nicht darum noch bessere Programme und Veranstaltungen für Kinder zu planen (wobei ich auch nichts dagegen einzuwenden habe), sondern ich glaube es ist nötig, dass jeder einzelne von uns seinen Umgang mit Kindern ändert. Das wir anfangen gerade glaubenstechnisch unsere Kinder ernst zu nehmen. Wenn unsere Kinder Bilder malen oder von Träumen erzählen, dass wir dann davon ausgehen, dass unsere Kinder Zugang zur übernatürlichen Welt haben und sie nicht belächeln. Das wir sie auch in unsere Glaubensprozesse mithineinnehmen – in einer Sprache die sie verstehen und in einem Ausmaß, das ihrem Alter entspricht.

Aber auch das wir sie persönlich ernst nehmen – das wir sie fragen wie es ihnen geht und dann auch zuhören, wenn sie uns von ihrem Leben erzählen, das wir ihnen ihre Grenzen lassen und vor allen Dingen, dass wir uns Zeit für sie nehmen. Ganz besonders im Rahmen der Gottesdienstveranstaltungen können wir auf viele Dinge achten, die Kinder mithineinnehmen. Das fängt an bei den Predigten und beim Lobpreis – da muss sich einfach jeder der in diesem Bereich tätig ist fragen: Wie kann ich Kinder ganz natürlich mit einbeziehen – es soll nicht zu einer pädagogischen Übung werden.

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Ein Bild, das mein Neffe Joshua mir vor drei Wochen nach dem Gottesdienst gemalt hat.

Aber auch im Drumherum. Lasst uns einfach das Gespräch suchen und Zeit verschenken. Das muss ja noch nicht mal jeden Sonntag sein – aber vielleicht einmal im Monat ganz bewusst, das wäre doch ein Anfang.
Ich für mich hab mit folgenden Sachen gute Erfahrungen gemacht: Manchmal nehm ich mir einfach ein paar Stifte und Blätter mit und nach dem Gottesdienst setzte ich mich mit ein paar Kindern an einen Tisch und wir malen zusammen. Manchmal zu einem bestimmten Thema, manchmal einfach so. Und während wir so gemeinsam malen kommen wir ins Gespräch über das Malen und auch über andere Dinge. Manchmal nehm ich einfach ein Spiel mit und dann setz ich mich mit ein paar Kindern zusammen und wir spielen einfach ein paar Runden ein ganz einfaches Spiel. Ich versuche daran zu denken, wenn Kinder Geburtstag haben und bringe ihnen dann etwas kleines mit – schon ein Überraschungsei macht die meisten Kinder mehr als glücklich.

Und natürlich kann man nicht mit jedem Kind eine enge Beziehung aufbauen – einfach weil die Zeit dafür nicht reicht und weil man nicht zu jedem Kind (wie auch nicht zu jedem Erwachsenen) einen Draht hat – aber wenn alle anfangen auf solche kleinen Dinge zu achten bin ich mir sicher, dass sich für jedes Kind eine Bezugsperson finden wird. Im Grunde genommen wäre es das einfachste, wenn sich jeder nur mal kurz erinnern würde, was ihm als Kind gut getan hätte…Wir können das nur gemeinsam schaffen… Ich weiß, dass das heute ein ziemlicher langer Text ist und ich muss sagen: Respekt, dass du hier unten angekommen bist und Danke.

 

P.S.: Was mir auch noch wichtig ist: Alles was wir mit Kindern tun, die nicht unsere sind sollte entweder so geschehen, dass es für die Eltern sichtbar ist (also so, dass diese in der Nähe sind) oder in Absprache mit ihnen und aus einem Vertrauensverhältnis heraus. Auch glaube ich, dass Körperkontakt sehr zurückhaltend stattfinden sollte. Das ist etwas was Aufgabe der Eltern ist (kuscheln, auf den Schoß nehmen, etc.). Eine Umarmung zum Geburtstag oder ein Schulterklopfen, etc. würde ich aber als in Ordnung ansehen, wenn eine gute Beziehung zu dem Kind vorhanden ist.

 

Zehennägel, Wandern und Neues wagen

Heute erzähl ich mal eine Geschichte bei der sich der ein oder andere vielleicht etwas ekeln wird, aber sowas gehört halt auch zum Leben :). Mein Mann und ich sind letztes Jahr im Sommer in die Berge gefahren…ihn zieht es dahin – mich so gar nicht. Naja, aber nach fast 10 Jahren Ehe hab ich gedacht schau ich mir mal an was er daran so toll findet. Da wo ich mich in seine Liebe zur Natur noch halbwegs reindenken kann ist mir sein Wunsch zum Wandern völlig befremdlich (Ja bei mir fängt hier schon das ekeln an :D). Wandern verbinde ich nur mit superanstrengenden, und lanweiligen Schulausflügen – und wie froh war ich als ich an solchen nicht mehr teilnehmen musste….und jetzt das…mein Mann will wandern. Aber aus Liebe bringt man ja so manches Opfer und deswegen hab ich mich auch aufs Wandern eingestellt – mir extra besonders angenehme und leichte Sportschuhe gekauft…und so sind wir dann gleich am zweiten Tag los. Schon nach ca. 1 km war mir klar…das wird böse Enden. Meine Füße sind leider nicht ganz gleich groß und so drückte der eine Schuh etwas vorne…was bergauf noch ganz O.K. war, war bergab am Ende nur noch mit zusammengebissenen Zähnen zu ertragen. Wieder in der Ferienwohnung angekommen, war klar: Den Rest des Urlaubs werden w ohl nur noch Flip Flops getragen. Der Zeh war blutunterlaufen und schon leicht bläulich verfärbt. Nun ja, der Vorteil war: Wandern musste ich nicht mehr ;).

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(c) Peter Freitag / pixelio.de

Zuhause angekommen hab ich erstmal großzügig Nagellack draufgemacht und alles war gut – bis ich den Nagellack wieder entfernt hatte…beim drüber fassen stellte ich fest, dass der Nagel sich bewegt…WAS? Ganz ehrlich ist mir schlecht und kalt und irgendwie alles gleichzeigt geworden, die Vorstellung, dass ein Nagel abfällt ist für mich eine der schlimmsten Horrorvorstellungen überhaupt. Also hab ich das logischste gemacht was mir eingefallen ist und eine feste Bandage um den Zeh gemacht in der Hoffnung in auf diese Art irgendwie „festzukleben“. Ihr werdet lachen, es hat tatsächlich irgendwie geklappt. Der Nagel hat sich dann zwar immer mehr verfärbt und verändert, aber er ist drangeblieben. Ich muss auch zugeben, dass ich sehr aufgepasst habe.

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(c) tokamuwi / pixelio.de

Nach einigen Woche ist mir dann aufgefallen, dass unten ein neuer Nagel rauswächst und etwas Erleichterung hat sich breit gemacht…schlimmer noch als das Abfallen des Nagels war die Vorstellung, dass kein neuer Nagel wächst. Aber nach einer Weile stellte ich fest, dass es mit dem Wachstum nicht weiter geht. Anfang des Jahres hab ich gemerkt, ich muss jetzt was machen. Irgendwie war ich auch in so einer Stimmung für Veränderung und Neuanfang also hab ich eines Abends angefangen ein wenig an dem Nagel zu ziehen und zu schauen ob er sich lösen läst. Nach einigen zögerlichen Versuchen bin ich dann beherzt herangegangen und hab den Nagel, der schon ziemlich verhornt abstand einfach abgemacht.

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(c) Lisa Spreckmeyer / pixelio.de

Zu meiner Überraschung war unter dem Nagel schon über die komplette Fläche ein neuer gewachsen. Dieser war aber ziemlich dünn…wahrscheinlich weil Licht und Sauerstoff schwer drangekommen sind…und da hab ich gedacht: Ist das mit meiner Seele nicht auch oft so? Manchmal weiß ich dass da etwas oder jemand ist, der/das eigentlich losgelassen werden muss, aber ich hab viel zu sehr Angst, dass der Platz dann leer bleibt, dass darunter zu viel Schmerz liegt, so sehr dass ich mich die ganze Zeit darauf konzentriere es irgendwie festzuhalten und an mich zu kleben. Aber wenn ich dann bereit bin es einfach mal zu wagen merke ich oft…da ist schon was neues gewachsen und hätte ich diesem Neuen schon früher Raum gegeben, dann wäre es wahrscheinlich schon viel stärker und schöner…und jetzt warte ich, das mein Nagel wieder komplett gesund und schön wird, aber ich bin dankbar für das was schon da ist…nächstes Mal bin ich vielleicht schon etwas mutiger…nächstes Mal, wenn wir in 10 Jahren wieder wandern gehen 🙂

Wohin will der Geist eigentlich durchbrechen?

Gestern im Gottesdienst haben wir ein Lied gesungen, dass mich immer tief bewegt – aber diesmal hab ich es irgendwie anders gehört bzw. hat sich die Bedeutung für mich erweitert. Das Lied  „Spirit break out“ von Jesus Culture hat so viele gute Textpassagen, aber heute möchte ich nur über diese eine Stelle schreiben…auf deutsch heißt es dort:

Heiliger Geist bricht aus (oder hervor)
Zerbrich unsere Mauern
Heiliger Geist brich aus
Himmel komm herab

Normalerweise wenn ich das Lied singe bin ich in einem Gespräch mit dem Heiligen Geist und bitte ihn, die Mauern in meinem Herzen, die verhindern, dass er alles erfüllen kann zu entfernen – auch wenn sie mir nicht bewusst sind. Mein Fokus war also normalerweise nach innen gerichtet, als eine Einladung an den Heiligen Geist alles in mir zu erfüllen – und ich denke dass ist auch kein falscher Ansatz. Gestern aber als ich gesungen habe war es so als wenn der Heilige Geist mich gerufen hat still zu werden und und zu schauen was er mir zeigen will und auf einmal hatte ich das Gefühl als wenn mein Brustkorb aufreißt und Licht kommt heraus geströmt und es war als wenn er flüstert: Ich will auch die Mauern, die du nach außen hast einreißen.
Mir ist bewusst geworden: Der Heilige Geist will nicht nur nach innen sondern auch nach außen hervorbrechen und wenn ich zulasse, dass er meine Mauern einreisst und aus mir herausbricht,  dann werde ich automatisch erleben, dass der Himmel herab kommt, denn dort wo der Heilige Geist sich ausbreitet, da ist Himmel.

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(c) Karin Schmidt / pixelio.de

Gerade jetzt in der Weihnachtszeit ist es vielleicht genau das was unser Fokus sein sollte, so wie Jesus es getan hat: Unser Herz aufreissen lassen, um die Welt mit Licht zu füllen. In diesem Sinne wünsche ich euch noch eine Advents- und Weihnachtszeit, die mit zwischenmenschlichem Licht gefüllt ist.

Für alle, die das Lied nicht kennen oder nochmal hören wollen: